fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Gemeinderatswahl in Thaur 2022: Eine Chance für mehr Barrierefreiheit!

Demokratie, Gerechtigkeit und Gleichstellung von Menschen sind Werte, die in einer fortschrittlichen Gesellschaft stets verteidigt und eingefordert werden müssen. Es ist wichtig, dass die Macht vom Volke ausgeht und nicht von wenigen Privilegierten. Dies gilt es auch auf Gemeindeebene zu beachten. Worauf oft vergessen wird, ist der Umgang einer Gesellschaft mit jenen Menschen, welche es im Leben oft am schwersten haben: Menschen mit Behinderungen.

Seit Jahren setze ich mich auf Landesebene im Monitoring-Ausschuss Tirol ehrenamtlich für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein. Dadurch sehe ich immer wieder: Viele Entscheidungen, die unser Zusammenleben bestimmen, werden auf Gemeindeebene getroffen und beeinflussen auch das Leben unserer Mitmenschen mit Beeinträchtigung sehr stark.


Viele haben schon von „Barrierefreiheit“ gehört oder gelesen und denken dabei an „rollstuhltauglich“. Dass Barrierefreiheit aber wesentlich mehr bedeutet als z.B. das Errichten von Rampen bei öffentlichen Gebäuden, geförderten Wohnbauprojekten, Arztpraxen, Bildungseinrichtungen, Vereinslokalen uvm., wird dabei gerne übersehen.

 

Weitaus weniger bekannt ist dagegen das „2-Sinnes-Prinzip“. Es ist ein zentraler Begriff für die barrierefreie Gestaltung von Gebäuden oder Informationssystemen. Diesem Prinzip folgend sollten mindestens zwei der drei Sinne "Hören, Sehen und Tasten" angesprochen werden. Es erweitert den Aktionsradius von allen Menschen beträchtlich. So sollten etwa Alarmierungen sowohl hör- als auch sichtbar erfolgen, zum Beispiel bei einem Feueralarm in Gebäuden oder bei Verkehrsampeln. Das „2-Sinnes-Prinzip“ ist auch für Menschen ohne Behinderungen eine Erleichterung und findet im Alltag Anwendung, etwa bei Klingeltönen und gleichzeitigem Vibrationsalarm eines Mobiltelefons.

 

Es sind oft grundlegende Dinge, welche die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung erschweren. Wie sollen z.B. unsere Thaurer Mitbürger*Innen im Rollstuhl diverse Vereinslokale ohne Fremdhilfe besuchen? Wie soll ein Mensch mit Hörbeeinträchtigung in einem Öffentlichen Gebäude in Thaur einen akustischen Feueralarm wahrnehmen? Wie soll jemand mit Lernschwäche von seinem Wahlrecht Gebrauch machen, wenn die Wahlinformation nicht in der „Leichter Lesen“-Schrift zur Verfügung gestellt wird? Wie sollen sehbeeinträchtige Personen die Dorfzeitung „Jochwind“ lesen und über die Geschehnisse im Dorf am Laufenden bleiben? Wie ist es um Inklusion in unseren Bildungs- und Freizeitangeboten im Dorf bestellt und welche Bemühungen sind diesbezüglich von Seiten der Gemeinde geplant?

 

Es gibt viele Arten von Barrieren, welche uns gar nicht bewusst sind und welche wir erst registrieren, wenn wir selbst davon betroffen sind. Unsere Gesellschaft wird bekanntlich auf Grund des medizinischen Fortschritts immer älter. Oft bemerken wir erst dann, wie eingeschränkt unser Alltag ist, wenn unsere Mobilität sinkt, unser Augenlicht nachlässt, unsere Hörfähigkeit abnimmt oder gar unsere kognitiven Fähigkeiten abflachen. Es ist wichtig, dass der Gemeinderat bei seinen Beschlüssen dieses Thema mitbedenkt. Denn jeder finanzielle Aufwand in Richtung Barrierefreiheit & Inklusion ist schließlich auch eine Investition in die eigene Zukunft: Stichwort „würdiges Altern in Thaur“.

 

Auch wenn uns momentan die Belastungen der Pandemie beschäftigen, so werden bald wichtige Entscheidungen im Gemeinderat anstehen: Sei es im Umgang mit der Klimakrise oder hinsichtlich der Weiterentwicklung unseres Raumordnungskonzeptes. Da wird beschlossen, wie lebenswert wir unser Thaur künftig gestalten. Die Liste Grüne & Unabhängige Thaur hat dazu mit viel Hausverstand konkrete Vorschläge ausgearbeitet, um unserer Gemeinde für die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu rüsten. Dabei standen stets das Menschliche und die Verhältnismäßigkeit im Zentrum der Überlegungen. Deswegen bin ich Teil des Teams von Bürgermeisterkandidat Joe Bertsch bei der kommenden Gemeinderatswahl am 27.02.2021 in Thaur. Als gehörloser und selbstbewusster Thaurer ist es mir wichtig, auch jenen eine Stimme zu geben, die ansonsten wenig öffentliche Wahrnehmung erfahren. Denn eines ist klar:

 

Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt

G. Heinemann

 

Weitere Info's: https://www.facebook.com/gruenethaur

 

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.