fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Ich höre momentan lieber zu

Ich weiß, still ist es geworden um mich und fehrhoert und das ist irgendwie sehr ungeplant passiert. Das liegt zum einen daran, dass es momentan viele Dinge in meinem Leben gibt, die mich mehr oder weniger beschäftigen und relativ viel Zeit einfordern. Und zum anderen liegt es daran, dass seit COVID-19 fast in allen Bereichen nichts mehr so läuft wie es laufen soll und wir nach wie vor in einer sehr, sehr komischen Zeit leben – in einer Zeit die wirklich viel mehr spaltet als eint, wo es offensichtlich nur mehr schwarz und weiß zu geben scheint. Dabei sind auch alle möglichen Grautöne aber auch Farben schön.

Auf den Straßen laufen plötzlich hunderttausende Virolog*Innen rum und jede*r will es besser als der bzw. die Nächste wissen, was in der derzeitigen Situation richtig oder falsch ist. Und kaum jemand schert sich eigentlich wirklich, was der bzw. die Andere sagt, weil man ja selbst „up-to-date“ ist und Dank Internet, Social Media, Wikipedia und Co scheinbar alles weiß. Noch schlimmer ist es in den Medien, wo derzeit gefühlt immer mehr fragwürdige Menschen mit viel Meinung aber wenig Ahnung Plattformen bekommen und die Leute dadurch noch mehr verunsichert werden und damit einen noch größeren Keil in die Gesellschaft schlagen.

Was mir insgesamt momentan einfach fehlt, ist das gegenseitige Zuhören. Kommunikation auf Augenhöhe ist eigentlich keine Einbahnstraße, doch genau dieses Gefühl habe ich ständig. Ob im Fernsehen, in Zeitungen, auf Twitter, auf Facebook und Co.: Ständig wird einem gesagt, was man zu tun und zu lassen hat und wenn man sich eine Sitzung des österreichischen Nationalrates anschaut und die Diskussionskultur dort beobachtet, frage ich mich echt, wo wir gelandet sind. Sind wir wirklich so?

Und genau deswegen höre ich momentan zu, so gut es mit meinem Cochlea Implantat eben geht. Denn momentan ist offensichtlich nicht die Zeit dazu, Ratschläge zu erteilen oder Menschen mit plausiblen Argumenten zu überzeugen. Das Zuhören ist momentan meiner Meinung nach wichtiger denn je und egal wer mich privat oder beruflich anspricht: Sei es über die politische Lage oder die COVID-19 Situation oder Menschen, die auf Grund ihrer Hörsituation verzweifelt sind; ich höre zu und versuche vor allem eines nicht: Zu (be)werten oder es besser zu wissen.

Ich weiß nicht, wie lange diese Situation noch anhalten wird. Denn die nächste Katastrophe (Klimakatastrophe) ist schon mit großen Schritten im Anmarsch und ich frage mich, ob die Gesellschaft dies nach den gehörigen Rumpler, den COVID-19 verursacht hat, verkraften kann. Ich bin mir nicht sicher, ob wir aus der Vergangenheit gelernt haben. Ich hoffe jedoch, dass das gegenseitige Attackieren bald wieder in gegenseitiges Zuhören umschlägt, damit wir uns nicht mehr über schwarz oder weiß streiten, sondern bald wieder den gemeinsamen Austausch über die bunte Vielfalt fröhnen.

 

 

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