fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Mit den AusHALLtigen bei Beats of Cochlea: Teil 1I

Montag:

....wer sich nun gedacht hätte, das wir uns von der langen Fahrt erholen hätten können: Fehlanzeige. Wir checkten ein und erkundeten unsere sehr sauberen und großzügigen Zimmer. Um 9 Uhr fand dann ein „Hearing“ im Hotelfoyer statt, bei welchen die einzelnen Programmpunkte für die ganze Woche präsentiert wurden (wir fanden es übrigens lustig, dass der erste Programmpunkt „Hearing“ lautete – immerhin sind wir auf einen Event für meist gehörlose Musiker).  Wir wurden darüber informiert, dass ab 12 Uhr der Sound-Check für das Jury-Vorspiel stattfinden würde und das eigentliche Probespiel ab 16 Uhr startet. Da ich vom Koffein und Zuckercocktail noch ganz betäubt war – immerhin war ich von Tirol nach Warschau dank Red Bull & Kaffee 11 Stunden durchgefahren – war für mich an ein Vormittagsschläfchen nicht zu denken. Außerdem stieg jetzt auch – sofern noch möglich –  mein Adrenalinpegel und die Nervosität, da wir ja am Nachmittag vor einer hochkarätig besetzten Jury mit Musikern & Promis aus Polen bestehen mussten. Daher beschlossen wir, den Schlaf in der Nacht nachzuholen, zogen unsere Tracht inkl. Lederhose an, setzten uns auf die Hotelterrasse und begannen zu musizieren:

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Dabei ernteten wir einige neugierige Blicke von Passanten und anderen Teilnehmern, die aber an diesem Tag wohl zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren, um uns zu lauschen. Aber das sollte sich im Laufe der Woche ja noch ändern.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Die Rolle des Gehirns in der (Musik-)Hörwahrnehmung

Wissenschaftliche Studien und Forschungen bezüglich der Wahrnehmung von Musik hörbeeinträchtigter Menschen, insbesondere von aktiv musizierenden Betroffenen, gibt es leider kaum. Vereinzelt findet sich jedoch zumindest Literatur, welche von Experten oder hörbeeinträchtigten Menschen verfasst wurde. Einige Informationen daraus bildeten die Basis dieses Beitrages von Sebastian Fehr, welcher sich mit mehreren Grundlagen der (Musik-)Hörwahrnehmung befasst, von denen speziell die zentrale Rolle des Gehirnes oft übersehen wird. Vor allem soll aber aufgezeigt werden: Die Thematik lebt, fasziniert und beschäftigt international Ärzte, Fachpersonal sowie Patienten gleichermaßen.

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum!“ (Nietzsche, 1889). Zu dieser Schlussfolgerung kam schon Friedrich Nietzsche, welche ich als Musiker, aber auch als von Geburt an hörbeeinträchtigte Person uneingeschränkt teile. Es ist gleichgültig, wie gut oder schlecht jemand hören kann und egal ob jemand mit Hörgeräten beziehungsweise Cochlea-Implantaten (CI) versorgt oder gar gehörlos ist: Musik kann uns alle berühren.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Mit den AusHALLtigen bei Beats of Cochlea - Teil 1

Seit etwa 1 ½ Jahren bin ich Cochlea Implantat Träger und obwohl ich medizinisch taub bin, spiele ich immer noch leidenschaftlich Trompete und Flügelhorn. Aber warum eigentlich? Was treibt mich an? Ich nenne mal 4 Gründe:

1. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Musizieren das Sprachverständnis verbessert (es ist also quasi eine Eigen-Therapie)
2. Mir bereitet das Musizieren auch mit CI immer noch unheimlich viel Freude.
3. Meiner Erfahrung nach kann man auch mit CI sehr gut Musik (er)leben – entgegen aller Vorurteile.
4. Irgendwann in Zukunft würde ich gerne bei Beats of Cochlea teilnehmen können, dem einzigen internationalen Musikwettbewerb weltweit, bei welchem gleichgesinnte CI-Musiker aufeinandertreffen.

Letzteres Ziel habe ich nun schneller erreicht, als ich es jemals erwartet hätte: Tatsächlich wurde ich heuer, 18 Monate nach meiner Erstanpassung, mit der Tanzlmusig „Die AusHALLtigen“ zum Event-Ort nach Polen, genauer gesagt Warschau, eingeladen. Als Anfang Juni die endgültige Bestätigung kam, dass wir dort auftreten dürfen, konnte ich es erst gar nicht glauben: Denn immerhin gehen jährlich lt. Veranstalter an die 200 Bewerbungen ein – es gehört schon eine ordentliche Portion Glück dazu, um ausgewählt zu werden.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Nicht verstehen und trotzdem „Ja-Sagen“ – eine schwer zu verlernende Kunst

Hörgeschädigt zu sein kann schon tierisch nerven. Nicht nur dass in unserem schnelllebigen, kapitalistischen Zeitalter der Leistungsdruck hoch ist und das Motto „Zeit ist Geld“ mehr denn je regiert, nein: Auch die Ansprüche der (hörgeschädigten) Menschen an sich selbst steigen ständig. Man hat zu funktionieren und wer das nicht schafft, wird aussortiert – so sieht in vielen Branchen die traurige Realität aus.

Oft mündet dieses „nicht-Funktionieren-Feeling“ in das Schamgefühl. Das kennen wir alle: Man verliert bei einem Vortrag den Faden oder man wird beim Lügen ertappt: Dann werden wir plötzlich rot, der Puls erhöht sich, wir beginnen zu schwitzen, zu stottern und zu stammeln. In diesen Momenten empfinden die Meisten von uns Scham – ebenso ergeht es mir mehrmals täglich als Hörgeschädigter, wenn ich beim ersten Mal das Gesagte nicht verstehe.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Von nix kommt nix!?

Viele Menschen, die in ihrem Leben schonmal auf etwas hingearbeitet haben, kennen den Spruch:„Von nix kommt nix!“

Vor allem in der Schule, aber auch von meinen Eltern bekam ich diese Phrase oft zu hören. In erster Linie soll diese Weißheit wohl motivieren, um an seine Grenzen zu gehen und durch Fleiß ein Ziel zu erreichen, was eine gute Sache ist. Auch Hörgeschädigte, welche hoffentlich großteils eine Hörrehabilitation (ambulatn oder stationär) unter professioneller Anleitung durchführen, arbeiten auf ein Ziel hin: Nämlich besser zu hören.

Auch ich nahm mir deswegen oben genannten Spruch als Hörgeschädigter zu Herzen, setzte mir hohe Ziele und absolvierte Hörtrainings, was das Zeug hielt. Wenn ich schon auf eine Hörhilfe angewisen war, wollte ich wenigstens mit meinem Hörsystem/CI top Ergebnisse liefern. Ich übte oft wie ein Besessener mit CD's, Telefon, Softwareprogrammen usw., doch meine Hör- und Silbentests wollten nicht besser werden. Daher war ich anfangs niedergeschlagen und sehr traurig, als die Hörerfolge ausblieben.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Wie halten das Guthörende aus – die ganze Zeit?

Neulich habe ich ja einen Blog über die Stille und dem „Vorteil Gehörlosigkeit“ geschrieben. Heute möchte ich meine Bewunderung gegenüber Guthörende thematisieren: Denn zwei gesunde Ohren zu besitzen, ist heute längst nicht mehr selbstverständlich: Allein in Österreich sind laut jüngsten Veröffentlichungen am Österreichischen HNO-Kongress 2017 schon 22 % der Menschen hörgeschädigt – und es werden ständig mehr. Das bedeutet, jede/r vierte ÖsterreicherIn würde von der Krankenkasse eine Hörhilfe bezahlt bekommen, da sie medizinisch gesehen notwendig wäre. Verwunderlich ist umso mehr, dass nur 12 % davon versorgt sind – und nicht mal diese Menschen tragen ihr Hörsystem regelmäßig. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun möchte ich mal ernsthaft die Runde fragen: Liebe Guthörende, wir haltet ihr das aus? Den Alltags-, Verkehrs- oder Freizeitlärm? Diese ständige Beschallung, und das noch dazu hochauflösend: Dafür sorgen ca. 15.000 feine Härchen im Innenohr, welche durch das Mittelohr in Bewegung gesetzet werden und unermüdlich Schallwellen in elektrische Impulse umwandeln. Das muss doch ziemlich nervig sein?

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Selbstbestimmt? Fremdbestimmt? Jedenfalls: Gleichgesinnt!

Ich bin noch sehr geflasht von den traumhaften letzten 72 Stunden: Der Grund war etwa nicht der übermäßige Sonnenschein der letzten Tage – nein ich hab keinen Sonnenstich – sondern: Die CIV BaWü organisierte ein Selbsthilfewochenende unter dem Motto "Selbstbestimmt - Fremdbestimmt" bzw. "Ich bin taub und das ist gut so" für 20 junge Schwerhörige aus der Region. Doch dem Ruf der Hauptorganisatorin Ulrike Berger folgten nicht nur regional Betroffene: Sogar Teilnehmerinnen aus Hannover oder München fanden den Weg nach Bühl bei Baden-Baden und auch die Geschäftsführerin der DCIG, Barbara Gängler, ließ es sich nicht nehmen, dabei zu sein.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Wiederkehrende Fragen aus dem Leben eines musizierenden CI-Trägers

Seit Oktober 2016 bin ich offiziell gehörlos und nur dank dem medizintechnischen Wunder Cochlea Implantat dazu in der Lage, an der akustischen Welt teilzunehmen. Gespräche führen, TV-schauen, telefonieren aber auch Musikhören und aktives Musizieren ist für mich nur mehr mit Hilfe der genialen Technik möglich.

Vor allem beim Thema Musik sorge ich oft für Verwunderung und erstaunte Blicke, einhergehend mit Fragen wie z.B: „Wie hört sich Musik für dich an?“ „Kannst du Konzerte eigentlich noch genießen?“ „Erkennst du falsche Töne beim Trompetenspielen“?

Ich möchte deshalb mit diesem und künftigen Blogs versuchen, einige dieser wiederkehrenden Fragen so einfach als möglich zu beantworten: Da normalhörende Menschen es sich sowieso nicht vorstellen können, wie es ist, hörgeschädigt zu sein, sind besonders Musiker, aber auch Hörgeräteträger und Gehörlose sehr daran interessiert, zu verstehen, wie das Musikhören & Musikmachen bei mir „funktioniert“.

Deswegen habe ich auch gleich eine große Bitte an euch: Schreibt mir in die Kommentarfunktion oder per Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – gerne auch vertraulich!) eure Frage zum Thema „Musikhören & Musikmachen mit Hörstörung!“ und ich werde versuchen, diese entweder direkt oder bei einem meiner nächsten Blogs zu beantworten. Natürlich sind auch Erlebnisberichte & eigene Erfahrungen gerne gesehen. Ich möchte nun mit der am öftesten gestellten Frage beginnen:

„Wie hört sich Musik für dich an, Sebastian?“

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Warum „passt schon“ eben nicht passt

Ist nicht so wichtig!“, „Passt schon.“, „Hat sich erledigt!“ – das sind alles Halbsätze, welche wohl jeder schwerhörige Mensch kennt. Oft hört man diese Worte, wenn man bei einer Unterhaltung wesentliche Dinge akustisch nicht verstanden hat und deswegen zweimal oder sogar dreimal nachfragen muss. Je nach Laune, Geduld und Gutmütigkeit der Gesprächspartner wird dann das gesagte wiederholt – oder eben einer dieser eingangs erwähnten Halbsätze findet Verwendung.


Dieses Verhalten ist oft nicht böse gemeint und für die/den Absender/in keine große Sache, stellt aber alles andere als eine Kommunikation auf Augenhöhe dar. Welche Auswirkungen diese Worte bei schwerhörige, angestrengt zuhörende Gesprächspartner haben, wird dabei nicht bedacht: Betroffene schämen sich durch diese Halbsätze umso mehr für ihre Hörschädigung und den damit verbundenen Defiziten in der Kommunikation und fühlen sich minderwertig, nicht gut genug und auch irgendwie diskriminiert. Sie denken: „Ich bin nicht wichtig genug, dass das gesagte wiederholt wird“, „ich gehöre nicht dazu“, „ich gehe meinem gegenüber auf die Nerven, deswegen wiederholt er das gesagte nicht“, „ich bin unwichtig“, und so weiter. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind am Boden, man fühlt sich als Mensch zweiter Klasse. Auf Dauer kann dies durchaus ernste psychologische Konsequenzen haben.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Ich kann mir aussuchen, nichts zu hören!

Vor zwei Jahren war es für mich die schlimmste Vorstellung, gehörlos zu sein. Ich hatte riesen Angst davor und das hatte einen einfachen Grund: Als Musikant hing ich einfach sehr an das wenige Gehör, dass ich noch hatte. Auf links war ich taub, auf rechts mittelgradig-Schwerhörig – und trotzdem war mir dieses „eine-halbe-Ohr“ heilig. Es hat mir ein Leben in der Musik ermöglicht und viele schöne und unvergessliche Erinnerungen geschenkt. Es war 28 Jahre lang mein Wegbegleiter und hat einigermaßen funktioniert und mich durch Ausbildung und Beruf gebracht. Daher weiß ich, dass ich Glück im Unglück hatte.

Meine Meinung zum Thema Gehörlosigkeit hat sich aber in den letzten beiden Jahren auch rapide verändert. Denn trotz der Unannehmlichkeiten, welche die Taubheit so mit sich bringt, habe ich heute mit dem CI einen großen Vorteil: Ich kann mir aussuchen, nichts zu hören! Ja, das ist kein Tippfehler und du hast richtig gelesen! Ich bin in einigen Situationen wirklich froh, gehörlos zu sein. Denn wer kann schon nach einem anstrengenden Tag „das Ohr abnehmen“ und auf der Couch chillen? Wer kann schon im überfüllten Zug das Gehör ausschalten und die Stille genießen? Oder aus aktuellen Anlass: Wer kann zu Sylvester schon im Freien lautlos das Feuerwerk bewundern? Und Hand aufs Herz: Wer wünscht sich nicht manchmal insgeheim, die Nörgelei vom Partner einfach abstellen zu können?

Ja, ich kann das!

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Der Tag, an dem mein Leben (eigentlich) endete

Ich möchte euch heute die Geschichte meines letzten Hörsturzes erzählen. Eigentlich möchte ich euch die Geschichte nicht erzählen, sondern ich will, dass ihr euch hinein versetzt, es selbst fiktiv erlebt und versucht, es nachzufühlen. Nur ansatzweise. Vielleicht ist es klug, wenn ihr vorab in das Stück rein hört, bei welchem das Unglück passiert ist. Dann kommt mein Erlebnisbericht – welcher in mittelfristiger Zukunft auch ausführlicher in Buchform veröffentlicht werden soll –  auch lebhafter rüber:

Ich möchte euch nun auf eine Reise zu einem Blasmusikwettbewerb nach Italien mitnehmen, wo mein altes Leben endete:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Auch 2017 hab ich mich einige Male fehrhört – ein Rückblick

Dezember ist nicht nur Weihnachtszeit sondern auch Rückblick-Zeit. Wie schnell 12 Monate eigentlich vorübergehen wird einem vor allem im letzten Monat des Jahres bewusst. Man schaut zurück und man denkt darüber nach, was so alles passiert ist. Wo man überall war, was man so erlebt und getan hat. Welche Menschen man kennenlernen durfte. Man erinnert sich an Situationen, die nicht so toll waren aber auch an Dinge, die dir bis heute noch Kraft schenken.

So auch bei mir:

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