fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Selbstbestimmt? Fremdbestimmt? Jedenfalls: Gleichgesinnt!

Ich bin noch sehr geflasht von den traumhaften letzten 72 Stunden: Der Grund war etwa nicht der übermäßige Sonnenschein der letzten Tage – nein ich hab keinen Sonnenstich – sondern: Die CIV BaWü organisierte ein Selbsthilfewochenende unter dem Motto "Selbstbestimmt - Fremdbestimmt" bzw. "Ich bin taub und das ist gut so" für 20 junge Schwerhörige aus der Region. Doch dem Ruf der Hauptorganisatorin Ulrike Berger folgten nicht nur regional Betroffene: Sogar Teilnehmerinnen aus Hannover oder München fanden den Weg nach Bühl bei Baden-Baden und auch die Geschäftsführerin der DCIG, Barbara Gängler, ließ es sich nicht nehmen, dabei zu sein.

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Wiederkehrende Fragen aus dem Leben eines musizierenden CI-Trägers

Seit Oktober 2016 bin ich offiziell gehörlos und nur dank dem medizintechnischen Wunder Cochlea Implantat dazu in der Lage, an der akustischen Welt teilzunehmen. Gespräche führen, TV-schauen, telefonieren aber auch Musikhören und aktives Musizieren ist für mich nur mehr mit Hilfe der genialen Technik möglich.

Vor allem beim Thema Musik sorge ich oft für Verwunderung und erstaunte Blicke, einhergehend mit Fragen wie z.B: „Wie hört sich Musik für dich an?“ „Kannst du Konzerte eigentlich noch genießen?“ „Erkennst du falsche Töne beim Trompetenspielen“?

Ich möchte deshalb mit diesem und künftigen Blogs versuchen, einige dieser wiederkehrenden Fragen so einfach als möglich zu beantworten: Da normalhörende Menschen es sich sowieso nicht vorstellen können, wie es ist, hörgeschädigt zu sein, sind besonders Musiker, aber auch Hörgeräteträger und Gehörlose sehr daran interessiert, zu verstehen, wie das Musikhören & Musikmachen bei mir „funktioniert“.

Deswegen habe ich auch gleich eine große Bitte an euch: Schreibt mir in die Kommentarfunktion oder per Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – gerne auch vertraulich!) eure Frage zum Thema „Musikhören & Musikmachen mit Hörstörung!“ und ich werde versuchen, diese entweder direkt oder bei einem meiner nächsten Blogs zu beantworten. Natürlich sind auch Erlebnisberichte & eigene Erfahrungen gerne gesehen. Ich möchte nun mit der am öftesten gestellten Frage beginnen:

„Wie hört sich Musik für dich an, Sebastian?“

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Warum „passt schon“ eben nicht passt

Ist nicht so wichtig!“, „Passt schon.“, „Hat sich erledigt!“ – das sind alles Halbsätze, welche wohl jeder schwerhörige Mensch kennt. Oft hört man diese Worte, wenn man bei einer Unterhaltung wesentliche Dinge akustisch nicht verstanden hat und deswegen zweimal oder sogar dreimal nachfragen muss. Je nach Laune, Geduld und Gutmütigkeit der Gesprächspartner wird dann das gesagte wiederholt – oder eben einer dieser eingangs erwähnten Halbsätze findet Verwendung.


Dieses Verhalten ist oft nicht böse gemeint und für die/den Absender/in keine große Sache, stellt aber alles andere als eine Kommunikation auf Augenhöhe dar. Welche Auswirkungen diese Worte bei schwerhörige, angestrengt zuhörende Gesprächspartner haben, wird dabei nicht bedacht: Betroffene schämen sich durch diese Halbsätze umso mehr für ihre Hörschädigung und den damit verbundenen Defiziten in der Kommunikation und fühlen sich minderwertig, nicht gut genug und auch irgendwie diskriminiert. Sie denken: „Ich bin nicht wichtig genug, dass das gesagte wiederholt wird“, „ich gehöre nicht dazu“, „ich gehe meinem gegenüber auf die Nerven, deswegen wiederholt er das gesagte nicht“, „ich bin unwichtig“, und so weiter. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind am Boden, man fühlt sich als Mensch zweiter Klasse. Auf Dauer kann dies durchaus ernste psychologische Konsequenzen haben.

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Ich kann mir aussuchen, nichts zu hören!

Vor zwei Jahren war es für mich die schlimmste Vorstellung, gehörlos zu sein. Ich hatte riesen Angst davor und das hatte einen einfachen Grund: Als Musikant hing ich einfach sehr an das wenige Gehör, dass ich noch hatte. Auf links war ich taub, auf rechts mittelgradig-Schwerhörig – und trotzdem war mir dieses „eine-halbe-Ohr“ heilig. Es hat mir ein Leben in der Musik ermöglicht und viele schöne und unvergessliche Erinnerungen geschenkt. Es war 28 Jahre lang mein Wegbegleiter und hat einigermaßen funktioniert und mich durch Ausbildung und Beruf gebracht. Daher weiß ich, dass ich Glück im Unglück hatte.

Meine Meinung zum Thema Gehörlosigkeit hat sich aber in den letzten beiden Jahren auch rapide verändert. Denn trotz der Unannehmlichkeiten, welche die Taubheit so mit sich bringt, habe ich heute mit dem CI einen großen Vorteil: Ich kann mir aussuchen, nichts zu hören! Ja, das ist kein Tippfehler und du hast richtig gelesen! Ich bin in einigen Situationen wirklich froh, gehörlos zu sein. Denn wer kann schon nach einem anstrengenden Tag „das Ohr abnehmen“ und auf der Couch chillen? Wer kann schon im überfüllten Zug das Gehör ausschalten und die Stille genießen? Oder aus aktuellen Anlass: Wer kann zu Sylvester schon im Freien lautlos das Feuerwerk bewundern? Und Hand aufs Herz: Wer wünscht sich nicht manchmal insgeheim, die Nörgelei vom Partner einfach abstellen zu können?

Ja, ich kann das!

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Der Tag, an dem mein Leben (eigentlich) endete

Ich möchte euch heute die Geschichte meines letzten Hörsturzes erzählen. Eigentlich möchte ich euch die Geschichte nicht erzählen, sondern ich will, dass ihr euch hinein versetzt, es selbst fiktiv erlebt und versucht, es nachzufühlen. Nur ansatzweise. Vielleicht ist es klug, wenn ihr vorab in das Stück rein hört, bei welchem das Unglück passiert ist. Dann kommt mein Erlebnisbericht – welcher in mittelfristiger Zukunft auch ausführlicher in Buchform veröffentlicht werden soll –  auch lebhafter rüber:

Ich möchte euch nun auf eine Reise zu einem Blasmusikwettbewerb nach Italien mitnehmen, wo mein altes Leben endete:

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Auch 2017 hab ich mich einige Male fehrhört – ein Rückblick

Dezember ist nicht nur Weihnachtszeit sondern auch Rückblick-Zeit. Wie schnell 12 Monate eigentlich vorübergehen wird einem vor allem im letzten Monat des Jahres bewusst. Man schaut zurück und man denkt darüber nach, was so alles passiert ist. Wo man überall war, was man so erlebt und getan hat. Welche Menschen man kennenlernen durfte. Man erinnert sich an Situationen, die nicht so toll waren aber auch an Dinge, die dir bis heute noch Kraft schenken.

So auch bei mir:

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Die Rolle des Gehirns in der (Musik-)Hörwahrnehmung

Wissenschaftliche Studien und Forschungen bezüglich der Wahrnehmung von Musik hörbeeinträchtigter Menschen, insbesondere von aktiv musizierenden Betroffenen, gibt es leider kaum. Vereinzelt findet sich jedoch zumindest Literatur, welche von Experten oder hörbeeinträchtigten Menschen verfasst wurde. Einige Informationen daraus bildeten die Basis dieses Beitrages von Sebastian Fehr, welcher sich mit mehreren Grundlagen der (Musik-)Hörwahrnehmung befasst, von denen speziell die zentrale Rolle des Gehirnes oft übersehen wird. Vor allem soll aber aufgezeigt werden: Die Thematik lebt, fasziniert und beschäftigt international Ärzte, Fachpersonal sowie Patienten gleichermaßen.

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum!“ (Nietzsche, 1889). Zu dieser Schlussfolgerung kam schon Friedrich Nietzsche, welche ich als Musiker, aber auch als von Geburt an hörbeeinträchtigte Person uneingeschränkt teile. Es ist gleichgültig, wie gut oder schlecht jemand hören kann und egal ob jemand mit Hörgeräten beziehungsweise Cochlea-Implantaten (CI) versorgt oder gar gehörlos ist: Musik kann uns alle berühren.

Anhänge:
Diese Datei herunterladen (SH 2-2018 Fehr.pdf)SH 2-2018 Fehr.pdf[ ]515 kB
Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Eine kleine (Weihnachts-)Geschichte

Vor vielen Jahren gab es einmal 3 Freunde. Brian, Andi und Mark spielten miteinander, seit sie gehen konnten. Da sie alle in einem Reihenhaus am Land aufwuchsen, entstand eine enge Bindung zwischen den Buben und das obwohl Andi gehörlos und Mark CI-Träger war. Man möchte meinen, dass es unter den Dreien ständig kommunikative Probleme gab – das war allerdings nie der Fall. Problemlos spielten Sie miteinander, lachten und stritten sich genauso, wie guthörende Kinder es tun.

Doch wie funktionierte der unkomplizierte Austausch untereinander? 

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Nicht verstehen und trotzdem „Ja-Sagen“ – eine schwer zu verlernende Kunst

Hörgeschädigt zu sein kann schon tierisch nerven. Nicht nur dass in unserem schnelllebigen, kapitalistischen Zeitalter der Leistungsdruck hoch ist und das Motto „Zeit ist Geld“ mehr denn je regiert, nein: Auch die Ansprüche der (hörgeschädigten) Menschen an sich selbst steigen ständig. Man hat zu funktionieren und wer das nicht schafft, wird aussortiert – so sieht in vielen Branchen die traurige Realität aus.

Oft mündet dieses „nicht-Funktionieren-Feeling“ in das Schamgefühl. Das kennen wir alle: Man verliert bei einem Vortrag den Faden oder man wird beim Lügen ertappt: Dann werden wir plötzlich rot, der Puls erhöht sich, wir beginnen zu schwitzen, zu stottern und zu stammeln. In diesen Momenten empfinden die Meisten von uns Scham – ebenso ergeht es mir mehrmals täglich als Hörgeschädigter, wenn ich beim ersten Mal das Gesagte nicht verstehe.

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Gebt den Kindern die Wahl!

Die Technik ist heute so weit fortgeschritten, dass  für ein Großteil der taub geborenen Säuglinge ein Leben in der akustischen Welt möglich werden kann. Während für blind geborene Kinder Farben & Co wohl für immer ein Mysterium bleiben ist das Sprechen, Musizieren oder Radiohören für gehörlos geborene Babys keine Utopie mehr, sondern auf Grund der medizinischen Möglichkeiten realer denn je.

Da allerdings die Entscheidung für oder gegen das sogenannte Cochlea Implantat (Hörprothese)  schon sehr früh erfolgen muss, weil ab dem 4. Lebensjahr die Hörnervenbahnen verkümmern, sind die Eltern in der Pflicht, für das Kind eine Entscheidung zu treffen, welche das restliche Leben des Kindes beeinflussen wird. Besonders schwierig ist diese Entscheidung oft für gehörlose Eltern. Es sei denn, man gibt dem Kind selbst die Wahlmöglichkeit:

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Wie halten das Guthörende aus – die ganze Zeit?

Neulich habe ich ja einen Blog über die Stille und dem „Vorteil Gehörlosigkeit“ geschrieben. Heute möchte ich meine Bewunderung gegenüber Guthörende thematisieren: Denn zwei gesunde Ohren zu besitzen, ist heute längst nicht mehr selbstverständlich: Allein in Österreich sind laut jüngsten Veröffentlichungen am Österreichischen HNO-Kongress 2017 schon 22 % der Menschen hörgeschädigt – und es werden ständig mehr. Das bedeutet, jede/r vierte ÖsterreicherIn würde von der Krankenkasse eine Hörhilfe bezahlt bekommen, da sie medizinisch gesehen notwendig wäre. Verwunderlich ist umso mehr, dass nur 12 % davon versorgt sind – und nicht mal diese Menschen tragen ihr Hörsystem regelmäßig. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun möchte ich mal ernsthaft die Runde fragen: Liebe Guthörende, wir haltet ihr das aus? Den Alltags-, Verkehrs- oder Freizeitlärm? Diese ständige Beschallung, und das noch dazu hochauflösend: Dafür sorgen ca. 15.000 feine Härchen im Innenohr, welche durch das Mittelohr in Bewegung gesetzet werden und unermüdlich Schallwellen in elektrische Impulse umwandeln. Das muss doch ziemlich nervig sein?

Weiterlesen ...
Geschrieben von Annelies Bauer

Ich bin ich.

Kennt ihr dieses Buch?

Es geht in diesem Wunderwerk, um ein Wesen, dass sich nirgends zugehörig fühlt. Ich kannte dieses Buch von Mira Lobe schon vor der Diagnose meiner Schwerhörigkeit, habe es immer und immer wieder durchgesehen und dabei wohl auch lesen gelernt. Während dieser Zeit habe ich( scheinbar) meine Umgebung so wahrgenommen, wie nichthörgeschädigte oder taub geborene Kinder. Als meine Schwerhörigkeit ihre Anfänge hatte, war ich 14 Jahre alt, umgeben von normalhörenden und einer Familie die mich von Beginn an in jeder Lebenslage unterstützte - aber niemand, wirklich niemand konnte mir das Gefühl geben, dazuzugehören.

Im Internet vor 12 Jahren, war für mich kein Ergebnis zu finden, kein Buch auf das ich gestossen bin, kein Eintrag den ich verschlingen hätte und mich dadurch besser fühlen können. Ich habe mich auch für Selbsthilfegruppen nicht begeistern können da ich mich ja noch nirgends zugehörig fühlte, ich war doch ,,normal''! Jegliche Gespräche mit meiner wunderbaren Akustikerin beim Hörgerätefachhandel, beim HNO Doc oder mit Freunden, gaben mir nicht das Gefühl,ich würde von nun an etwas anstreben, jemand werden, jemand sein, mich fühlen so wie ich mich heute eben fühle. Ich steckte fest.

Weiterlesen ...

About Me

Was ist fehrhoert • Biografie • Steckbrief

Blog

Meine Erfahrungen, Erlebnisse uvm.

Projekte

Publikationen • Vorträge • Musik • Termine

Ohrlexikon

Hörsysteme • Cochlea Implantat • Hörminderung

Links & Partner

Unterstützer • Wegbegleiter • Experten

Anfragen & Impressum

Zusammenarbeit • Kontakt • Copyright