fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

25 Jahre ÖCIG - Ein Nachbericht zur Veranstaltung

Am 21.10.2017 lud die österreichische Cochlea-Implantat Gesellschaft (kurz ÖCIG, www.oecig.at) mit seinem Präsidenten Herrn Markus Raab zum Symposium im Hörsaal der Uniklinik Salzburg ein. Die Veranstaltung stand ganz unter dem Zeichen des 25-jährigen Bestehen des Vereins und wurde von Herrn Dr. Gerd Rasp (Universitätsklinikum Salzburg) moderiert. Zusammen mit Fr. Dr. Ulrike Stelzhammer (www.aufwiederhoeren.at) und Fr. Rülicke (www.dazugehoeren.com) durfte ich auch einen Vortrag halten.


Die perfekt organisierte Veranstaltung bot ein abwechslungsreiches Programm und der Hörsaal war schon zum ersten Programmpunkt um 9:00 Uhr sehr gut gefüllt: Nach der Begrüßung der Regionalpolitik präsentierten die CI-Firmen Advanced Bionics, Cochlear und MEDEL ihre neuesten Produkte und Innovationen. Gleich im Anschluss referierte Mag. Katherina Strohmayer (Direktorin v. BiG) über ihr präferiertes Schulmodell in Sachen Inklusion hörgeschädigter und gehörloser Kinder. Unter anderem sprach sie sich für die Beibehaltung von sonderpädagogische Schulzentren aus (als Direktorin einer solchen Einrichtung ist es auch schwierig, dagegen zu argumentieren).

Das BiG-Schulmodell ist meiner Meinung nach insofern kritisch zu sehen, da in der Schule eine Trennung von „normalen Kindern“ und hörgeschädigten Kindern aktiv stattfindet und der Anteil an inklusiven Klassen relativ gering ist. Außerdem werden die Lehrpläne „bei Bedarf auf die beeinträchtigten Kinder“ angepasst. Was das konkret heißt und wie die Trennung von den hörgeschädigten Kindern zum Regelunterricht mit den unbeeinträchtigten Kindern erfolgt (und vor allem wer das bestimmt) wurde leider nicht gesagt, ebenso wenig erfuhr man über die Zukunftschancen der Kinder. Meinem Verständnis nach hat dieses Modell relativ wenig mit Inklusion zu tun (gleiche Bildungschancen für alle?) und die Dame konnte mich mit ihrem Vortrag nicht überzeugen. Zumal meiner Meinung nach Menschen mit Sinnes- oder Körperbehinderungen nicht in ein sonderpädagogisches Zentrum konzentriert gehören, sondern an Regelschulen integriert. Nur so haben diese auch Chancen auf eine spätere Berufskarriere. Aber beim nächsten „Tag der Offenen Tür“ des BiG werde ich mir dieses Projekt aber mit Sicherheit genauer anschauen und darüber berichten.


Nach Fr. Mag. Strohmayer sprach der CI-Träger Tobias Fischer über sein Leben. Er war das erste Kind in Europa, welches mit einem Cochlea Implantat versorgt wurde. Gott sei Dank wurde er trotz CI-Implantation nicht in ein sonderpädagogisches Zentrum geschickt, sondern durfte eine Regelschule besuchen: Dies war der Grundstein für eine Karriere, die seinesgleichen sucht: Er konnte einen Master of Science im Ingenieurwesen erreichen und ist beruflich sehr erfolgreich. Die Videos, die Herr Fischer aus seiner Kindheit mitgebracht hatte, sind beim Publikum besonders angekommen: Herr Fischer verlernte als 5-jähriger zunächst auf Grund seiner Ertaubung das Sprechen. Nach der CI-Versorgung und mit Hilfe von Logopäden konnte er das Reden wieder erlernen. Heute merkt man überhaupt nichts mehr von seinem Defizit, obwohl Herr Fischer beidseitig CI-Träger ist.


Vor der Mittagspause sprachen dann noch Mag. Martin Leyrer, Dr. Volker Kratzsch und Dr. Alois Mair jeweils über ihre Themen: Herr Mag. Leyrer redete über die Wichtigkeit von Rehabilitationsmaßnahmen nach der CI-Operation. Herr Dr. Kratzsch ist der Leiter von der stationären Rehabilitationseinrichtung in Bad Grönenbach (Bayern) und präsentierte seine Reha-Einrichtung. Außerdem hatte er auch viel Allgemeines über Hörschädigungen zu sagen. Dr. Mair sprach über die verschiedenen Möglichkeiten bei der CI-Einstellung.


Nach dem Mittagessen (das Buffet war hervorragend laughing) waren schon Ulrike, Ulrike und ich dran. Wir präsentierten den gemeinsamen Weg meiner Rehabilitation: Ich erzählte über meine Erfahrungen mit audiopädagogischem Training und Musiktherapie aus Patientensicht, Fr. Rülicke und Fr. Dr. Stelzhammer beleuchteten die therapeutischen Aspekte. Natürlich durfte eine musikalische Einlage nicht fehlen, um „live“ zu demonstrieren, dass es wirklich möglich ist, als CI-Träger zu musizieren. Die Zusammenarbeit mit Fr. Rülicke und Fr. Dr. Stelzhammer ist und war immer großartig, auch bei diesem Vortrag. Es war und ist mir eine große Ehre, mit zwei so eloquente Damen referieren zu dürfen.


Fr. Dr. Astrid Magele von der Uniklinik St. Pölten war nach uns an der Reihe. Sie präsentierte das neue Musiktherapieangebot der Klinik St. Pölten. Außerdem berichtete sie über das unbefriedigende Angebot an stationäre Rehabilitationseinrichtungen in Österreich für hörgeschädigte Menschen: Es gibt nämlich Keine! Patienten müssen zur stationären Reha nach Deutschland geschickt werden. Leider legen sich die Sozialversicherungsträger und die Politik hier quer, trotz intensiver Interventionen der Universitätsklinik St. Pölten rund um Dr. Sprinzl. Hier müssen künftig Patienten, Selbsthilfegruppen, Vereine und die Kliniken an einem Strang ziehen, um in diesem Hinblick künftig eine Verbesserung zu erzielen – vielleicht in Form einer Petition.


Zum Abschluss der Veranstaltung nahm uns der Mitinitiator der ÖCIG, Prof. Dr. Klaus Albegger, auf eine 25 Jährige Zeitreise mit: Er erklärte uns, wie die ersten Implantationen vorgenommen wurde. Wie groß die Angst der Ärzte vor Fehlern damals war. Wie sich die Medizin und die Technik im Laufe der Zeit entwickelte, hin zur Routineoperation und wie die Gemeinschaft rund um die ÖCIG wuchs und wuchs. Zum Abschluss wurde Herrn Dr. Albegger verdientermaßen die Ehrenpräsidentschaft des ÖCIG verliehen.


Bei Cafe und Kuchen wurden dann noch wertvolle Kontakte zwischen Teilnehmer, Vortragende und dem ÖCIG geknüpft. Es war ein würdiger Ausklang einer tollen Veranstaltung, die es in dieser Form ruhig jährlich geben könnte.

Weitere Fotos zur Veranstaltung finden Sie auf Facebook unter: https://www.facebook.com/SHG5020/