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Geschrieben von Sebastian Fehr

Hörsysteme

Hörsysteme zählen zu den technischen Hilfsmitteln, welche bei einer Hörminderung eingesetzt werden können. Dabei können die umgangssprachlich genannten „Hörgeräte“ schon bei leichten Beeinträchtigungen eine Erleichterung für Betroffene im Alltag herbeiführen.

Ein Hörsystem funktioniert nach folgendem, einfachem Prinzip:

Das bedeutet, die Schallwellen werden vom Hörsystem aufgenommen, verstärkt und anschließend durch einen winzig kleinen Lautsprecher wiedergegeben. Bewährt haben sich zwei Varianten: Nämlich das „im-Ohr“-Hörsystem (das ganze Gerät befindet sich im Gehörgang) und das „hinter-dem-Ohr“-Hörsystem (das Gerät befindet sich hinter der Ohrmuschel und nur der Lautsprecher befindet sich im Ohr).

 

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Die Geräte wurden in den letzten Jahren immer kleiner und kleiner – eine Tendenz die auch kritisch gesehen werden muss (siehe Blogeintrag "Je kleiner, desto besser!?!").

Hörsysteme sind daher die unkomplizierteste Variante, einer Hörstörung entgegenzuwirken: Der Hörcomputer wird einfach ins Ohr gesteckt und schon kann das Gehör ein lauteres Signal verarbeiten. Doch oft sterben in der Hörschnecke die kleinenen und feinen Haarorganismen ab, welche die mechanischen Signale in elektrische Impulse umwandeln. Sind diese mikroskopisch kleinen Haarzellen einmal abgebrochen, wachsen sie nicht mehr nach und können auch nicht mehr stimuliert werden. Je mehr davon kaputt sind, desto schlechter hört man. Wenn ganz viele von diesen Härchen betroffen sind, benötigt man in der Regel ein Cochlea Implantat.

Leider sind Hörsysteme und auch CI's in der Gesellschaft heute immer noch ein Tabuthema, obwohl die Zahl der hörgeschädigten Menschen in den letzten 30 Jahren stetig zunimmt.

Auf Hörhilfen wird trotzdem oft aus ästhetischen- oder „Image“- Gründen verzichtet.  Dies führt oft zu einem wiederkehrenden Stressfaktor für Körper und Geist, welcher auf Dauer nicht gesund ist. Erst wenn die Hörminderung so stark ist, dass man gezwungenermaßen ein Hörgerät braucht (oft erst bei einer mittelgradigen Hörstörung), werden die ästhetischen Bedenken beiseitegelegt – doch manchmal selbst dann nicht. Dass dann der Gewöhnungsfaktor an eine Hörhilfe wesentlich schwieriger ist, je hochgradiger die Hörminderung ist, wird von vielen Menschen unterschätzt.

Zum Vergleich: Wenn man sich die Situation bei Sehstörungen ansieht, ist es hier wesentlich leichter. Brillen genießen das Image als „Mode-Accessoire“ und  werden heute schon ab einem Sehdefizit von -0,50 Dioptrien empfohlen.  Da es sehr viele Brillenträger gib und auf Grund des bereits erwähnten positiven Image der Sehhilfen, ist die Hemmschwelle, sich eine Brille zu besorgen, sehr gering. Es würde außerdem kein Mensch auf die Idee kommen, sich erst bei einer Sehschwäche von 2,5 – 3,5 Dioptrien mit einer Brille auszustatten. Bei Hörgeräten hingegen warten Betroffene oft zu, bis ein mittel- bis schwergradieger Hörverlust vorliegt, bis sie sich mit einer Hörhilfe versorgen lassen. Doch dieses Thema wird auch in einem meiner künftigen Blogs beleuchtet.