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Geschrieben von Sebastian Fehr

Vom Ende zu wissen....

Heute möchte ich ein Gedicht posten, welches ich wenige Stunden vor meiner CI-Operation auf meinem Smartphone verfasst habe. Genauer gesagt am 06.09.2016, etwa gegen 05:00 Uhr überkamen mich regelrecht die Emotionen. Ich war verzweifelt. Ich wollte mein Gehör nicht verlieren. Doch ich wusste, es ist bald so weit. Ich hatte Angst. Ich war alleine. Die Ungewissheit war groß, es gab kein zurück mehr. Es war vielleicht einer der krassesten Momente im meinem Leben, diese Nacht in der Uniklinik St. Pölten, kurz vor meiner CI Operation. Ich möchte deshalb diese Zeilen nun ungefiltert mit euch teilen - diese zeigen auch, dass ich Angst und Zweifel hatte:

 

Vom Ende zu wissen

Viel schlimmer als ein ungewisses Ende ist es von dem Ende zu wissen.
Denn etwas Unausweichliches ist endgültig und du weißt schon vorher du wirst es vermissen.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Der Weg zur richtigen Hörsystem Einstellung

Es gibt sehr viele Hörhilfen für alle möglichen Arten und Unarten von Hörverlust. Deren optimale Einstellung auf den Anwender ist ein laufender Prozess, doch leider ist das einigen Betroffenen nicht bewusst.

Viele Hörgeschädigte glauben nach dem Erwerb eines Hörsystems oder nach einer CI OP gibt es keinen Aufwand mehr für einen selbst. „Der Hörakustiker wird’s schon richten“, so das Credo. Um aber schlussendlich mit dem neuen „Empfänger“ gut zurecht zu kommen, bedarf es neben dem regelmäßigem Hörtraining allerdings einer maßgeschneiderten und persönlichen Anpassung. Deshalb führt der erste Weg natürlich zu einem Hörsystem-Techniker. Meistens macht das der ortsnahe Hörakustiker oder Audiologe, welcher von den Herstellerfirmen die Einstellungssoftware bekommt und entsprechende Weiterbildungen absolvieren muss. Im Gegensatz dazu finden die ersten Anpassungen nach einer CI Operation direkt in der Operationsklinik statt.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Warum Brille und Hörhilfe sich nicht unähnlich sind

Es ist generell unbekannt dass Hörhilfen – wie die Brille – die Lebensqualität betroffener Menschen sehr erhöhen können. Doch während das Hörgerät in der gesellschaftlichen Wahrnehmung noch eher ein Tabuthema ist, hat sich die Brille als normales Hilfsmittel zur Steigerung der Sehkraft etabliert und gilt schon eher als Mode-Accessoire. Das Hörsystem hingegen wird immer noch als Schwäche ausgelegt, welche unbedingt versteckt werden muss. Aber warum ist das so? Dieser Frage möchte ich auf dem Grund gehen.

Dazu eine kleine Anekdote aus meinem Leben: Neulich durfte ich zusammen mit einem Hörakustiker Vorträge an einer NMS in Tirol halten, wie berichtet. 12 x 50 Minuten hatten wir die Aufgabe den Jugendlichen der Schule das Thema „Hören, Lärmgefahren und Hörhilfen“ näher zu bringen. Dabei erfuhr ich, welche Vielfalt an Charaktere sowohl bei den Kindern als auch bei den Lehrern zusammenkommt. Es war richtig faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich die jungen Menschen auf das Thema reagierten.

Was mir aber extrem aufgefallen ist, war die ungebremste und unvoreingenommene Neugier der jüngsten Schülerinnern und Schülern, sowie die für mich gefühlt eher reservierte Haltung der höheren Schulstufen gegenüber Hörstörungen, frei nach dem Motto: Was anders ist, ist abnormal!

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Social Media, Smartphones und McDonalds – Fluch oder Segen?

Heute mal ein etwas ungewöhnliche Blog zu einer selten diskutierten Thematik, aus meiner Sicht beleuchtet:

Was haben das Social Media, Smartphones und McDonalds gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Einige Menschen meiden die genannten Begriffe wie Fledermäuse das Tageslicht. Andere verbringen mehrere Stunden via Smartphone auf Facebook und Co und gehen mehrmals wöchentlich zu McDonalds. Ich kann die kritischen Standpunkte zu diesen Verhaltensmustern sehr gut verstehen. Als Schwerhöriger und später Gehörloser habe ich jedoch diese 3 Erfindungen durchaus zu schätzen gelernt, und werde hier nun auch ausführen warum.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Mission (C)Impossible: Back on stage in 6 months Part I

Man sagt, Musikhören sei die Königsdisziplin für Cochlea Implantat - Träger.
Man sagt außerdem, das CI ist nur für das Sprachverstehen ausgelegt.

Als ich im August 2016 hörsturzbedingt meine Recherchen über Cochlea Implantate begann, wurde ich mit vielen Halbwahrheiten konfrontiert. Teilweise stammte dieses Halbwissen von Ärzten, die es nicht besser wussten, teilweise auch von CI Herstellern, die ihre Produkte auch heute noch offensiv und euphorisch umwerben und die Konkurrenz unnötig diskreditieren.
Last but not least findet man auch im Internet ziemlich viel unbelegte Geschichten, welche alle möglichen und unmöglichen Thesen belegen sollen.

Als Laie fragte ich mich dann: Was stimmt denn nun wirklich? Die Aussage des regionalen Facharztes, dass man das Musizieren vergessen kann?
Die Werbung der CI Firmen, welche suggerieren, dass mit dem CI alles und mehr möglich ist? Oder etwa doch der Post von Mrs/Mr. X auf Facebook, der meint, mit CI sogar die Regenwürmer aus dem Nachbardorf husten zu hören? Ich stand also zwischen zwei Stühlen und wusste nicht was ich glauben sollte. Informationen mussten her, ich wollte so viel über die Materie CI wissen wie möglich. Denn wer nichts weiß muss bekanntlich alles glauben.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Cochlea Implantat - ja oder nein?

An alle Schwerhörige und potenzielle CI-Kandidaten, welche vor der Frage stehen:

Soll ich mir nun ein CI machen lassen oder nicht?

Wichtig ist, dass du dich ganz emotionslos sowie so rational und sachlich wie möglich an die Materie Cochlea Implantat heranwagst. Zuerst musst du dich fragen, ob du zufrieden mit deiner derzeitigen Lebensqualität bist. Hörst du für dich genug? Bist du zufrieden mit deiner Hörleistung? Wie sehen es deine Familie und Freunde?

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Mein Reha-Aufenthalt in der Median Kaiserbergklinik, Bad Nauheim

Ich war vom 17.01.2017 bis 21.02.2017 in der MEDIAN Kaiserbergklinik in Bad Nauheim zur Rehabilitation auf Grund meiner Cochlea Implantat Operation vom Vorjahr. Ich möchte nun hier eine ausführliche Rezension zu meinem Aufenthalt veröffentlichen:

Vorab möchte ich sagen: Meiner Meinung nach ist die Möglichkeit zur Reha für CI Patienten und Hörgeschädigte notwendig und richtig. Egal wie gut oder schlecht jemand hört – in diesen 3 bzw. 5 Wochen hat der Mensch Zeit sich intensiv mit dem Hören zu beschäftigen. Man kommt aus dem Alltag raus, man erfährt Dinge über sich und das Hören sowie über sein CI bzw. sein Hörsystem, welche man vorher nicht wusste. Nach einer CI Operation oder nach einem Hörsturz muss der Körper sich erst einmal umstellen und neu sammeln, seine Kräfte bündeln. Dies gelingt meiner Meinung nach am besten bei einem intensiven Rehabilitationsaufenthalt. In Österreich gibt es leider keine Reha-Einrichtung, welche sich auf hörgeschädigte Menschen spezialisiert hat. Umso wichtiger ist es, dass zumindest in Deutschland erkannt wurde, dass solche Einrichtungen notwendig sind und deswegen war und bin ich sehr froh, dass man mich nach Bad Nauheim geschickt hat.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Je kleiner, desto besser!?!

 CI’s und Hörsysteme haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Zwischen banalen Hörhilfen wie „Hörrohre“ über Tisch- und Taschenhörsysteme bis hin zu den heutigen Geräten, welche in der Regel im oder hinter dem Ohr getragen werden, liegen nicht einmal 100 Jahre. Schwerhörigkeit hat die Menschheit schon immer beschäftigt. Durch die Industrialisierung und die damit verbundene erhöhte Lärmbelastung treten heute Hörschädigungen im Verhältnis wesentlich häufiger auf, als noch beispielsweise in der frühen Neuzeit. Deswegen ist der Hörsystemmarkt im Gesundheitswesen ein sehr gut frequentierter und relativ umsatzstarker Zweig in der medizintechnischen Versorgung geworden.

 

Wenn man sich die Entwicklungen der Hörsysteme in den letzten Jahren so ansieht, ist vor allem eines auffällig: Die Hörcomputer werden immer kleiner und kleiner. Doch ist diese Entwicklung gut?

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Wie hörst du eigentlich?

In meinem Leben wurde ich schon mit vielen Fragen konfrontiert. Wenige davon konnte ich bisher zufriedenstellend beantworten. Viele Fragen haben sich so wie ich im Laufe der Zeit verändert, einige sind dennoch gleich geblieben. Nachfolgende Fragestellung scheint aber irgendwie zeitlos zu sein. Wahrscheinlich hat sie jeder hörgeschädigte Mensch in seinem Leben schon mal gehört. Obwohl so einfach und so schlicht, ist die Beantwortung umso schwieriger:

„Wie hörst du eigentlich?“

Immer wenn ich diese Frage höre, wird mir bewusst wie paradox die Welt eigentlich ist. Wenn man einen Guthörenden dieselbe Frage stellen würde, käme als Antwort: „Ja normal halt!“. Richtig – und warum sollte es mir als hörgeschädigten Menschen anders ergehen? Warum wird mir die Frage gestellt? Warum fragen Hörende sich nicht gegenseitig aus, wie sie eigentlich hören? Nur weil ich schlechter höre, heißt das doch nicht, dass ich anders höre?  Oder doch?

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Geschrieben von Sebastian Fehr

"Einmal bunt für mich, bitte!"

Beige. Schwarz. Weiß. Silber. Grau. Braun. Das sind die gängigsten Farben, welche bei Hörgeräten oder CI-Sprachprozessoren angeboten werden und auch am häufigsten verkauft werden. Der Gedanke dahinter ist klar: Man will das Gerät bestmöglich verstecken, frei nach dem Motto „bloß nicht auffallen!“. Dafür gibt es vielfältige Gründe: In der Berufswelt hat man vielleicht Angst, den Wunschjob nicht zu bekommen und nicht akzeptiert zu werden. Vielleicht hat man auch Angst, den „Normalitätsfaktor“ in seinem sozialen Umfeld zu verlieren, wenn man offen mit seiner Behinderung umgeht. Deshalb und aus allen möglichen und unmöglichen weiteren Gründen will man seine Schwachstelle nicht offen zeigen. Niemand würde es zugeben, aber vielleicht schämt man sich auch ein bisschen dafür, schwerhörig und damit anders zu sein?

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Geschrieben von Sebastian Fehr

"Ein Stinktier im Warteraum"

Der Blog fehrhoert.com soll auch unterhalten. Deswegen möchte ich heute eine Leseprobe aus meinem Buch veröffentlichen, an welchem ich momentan in meiner Freizeit schreibe. Das Buch handelt von Ereignissen aus meinem Leben - natürlich spielen daher die Themen Hörschädigung, Hörgeräte, CI-Implantate eine große Rolle. Ich habe viele traurige, lustige aber auch peinliche Momente erlebt und auch aufgeschrieben und heute möcht ich einfach ein Kapitel daraus mit euch teilen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und ich freue mich wie immer auf Rückmeldung:

    Ein Stinktier im Warteraum

Wieder einmal hatte ich einen Termin in der HNO Ambulanz der Universitätsklinik. Es war eine Hörprüfung fällig. Ziemlich verschwitzt und fertig vom Sportunterricht erreichte ich überpünktlich kurz vor 14:00 Uhr den Warteraum der Ambulanz.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Der Weg ins Ungewisse

Der Weg ins Licht ist ein langer Weg
und wirkt wie ein unendlicher Hafensteg.
Die Sonne geht unter und leuchtet rot,
Im Hafen legt an das letzte Boot.

Wohin der Steg führt, kann man nicht sehen,
man geht blind voran, ohne zu verstehen
Wo der Pfad endet, wo ist das Ziel?
Ist am Ende alles nur ein Spiel?

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