fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Gebt den Kindern die Wahl!

Die Technik ist heute so weit fortgeschritten, dass  für ein Großteil der taub geborenen Säuglinge ein Leben in der akustischen Welt möglich werden kann. Während für blind geborene Kinder Farben & Co wohl für immer ein Mysterium bleiben ist das Sprechen, Musizieren oder Radiohören für gehörlos geborene Babys keine Utopie mehr, sondern auf Grund der medizinischen Möglichkeiten realer denn je.

Da allerdings die Entscheidung für oder gegen das sogenannte Cochlea Implantat (Hörprothese)  schon sehr früh erfolgen muss, weil ab dem 4. Lebensjahr die Hörnervenbahnen verkümmern, sind die Eltern in der Pflicht, für das Kind eine Entscheidung zu treffen, welche das restliche Leben des Kindes beeinflussen wird. Besonders schwierig ist diese Entscheidung oft für gehörlose Eltern. Es sei denn, man gibt dem Kind selbst die Wahlmöglichkeit:

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

CI – CROS: Einfach nur krass

Zunächst einmal: Was ist ein CROS System? Ich möchte nicht lange um den heißen Brei herumreden, nachfolgendes Video wurde gemacht, kurz nachdem das „Naida Link CROS-System“ bei mir aktiviert wurde:

In Textform: Es geht also darum, dass meine unversorgte, gehörlose, linke Seite durch ein Gerät mit Mikrophonen hinterm linken Ohr (schaut aus wie ein Hörsystem) akustische Signale auf meine CI Seite (rechts) überträgt.

Weiterlesen ...
Geschrieben von Werner Pfeifer

Gib den Ohren eine Chance!

Ich befasse mich seit 20 Jahren mit den Themen Tinnitus, Hören, Schwerhörigkeit und ich bin immer wieder fasziniert, was unser Ohr leistet, wie sehr wie vom Hören abhängig sind (wenn wir hörend geboren wurden) und wie sensibel und doch widerstandsfähig unser Ohr ist.

 

Hast du dir einmal überlegt, wie flexibel unser Gehör ist? Wir können das sprichwörtliche Fallen einer Nadel hören (zumindest solange wir nicht schwerhörig sind 😊 ) aber auch ein startendes Flugzeug. Im ersten Fall sorgt ein eingebauter Verstärker dafür, dass wir die leisesten Geräusche hören und im zweiten Fall übersteht das Ohr auch etwas sehr Lautes. Du hast vielleicht schon erlebt, dass du nach sehr großem Lärm eine gewisse Zeit schlecht hörst. Das ist der Schutzmechanismus vom Ohr. Solche Ereignisse haben allerdings Folgen, wenn das immer wieder passiert. Auch wenn vermeintlich im Moment nichts passiert ist, führen solche Ereignisse langfristig zu Schwerhörigkeit. Das Ohr ist wie ein Elefant, der niemals etwas vergisst.

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Vom Ende zu wissen....

Heute möchte ich ein Gedicht posten, welches ich wenige Stunden vor meiner CI-Operation auf meinem Smartphone verfasst habe. Genauer gesagt am 06.09.2016, etwa gegen 05:00 Uhr überkamen mich regelrecht die Emotionen. Ich war verzweifelt. Ich wollte mein Gehör nicht verlieren. Doch ich wusste, es ist bald so weit. Ich hatte Angst. Ich war alleine. Die Ungewissheit war groß, es gab kein zurück mehr. Es war vielleicht einer der krassesten Momente im meinem Leben, diese Nacht in der Uniklinik St. Pölten, kurz vor meiner CI Operation. Ich möchte deshalb diese Zeilen nun ungefiltert mit euch teilen - diese zeigen auch, dass ich Angst und Zweifel hatte:

 

Vom Ende zu wissen

Viel schlimmer als ein ungewisses Ende ist es von dem Ende zu wissen.
Denn etwas Unausweichliches ist endgültig und du weißt schon vorher du wirst es vermissen.

Weiterlesen ...
Geschrieben von Annelies Bauer

Ich bin ich.

Kennt ihr dieses Buch?

Es geht in diesem Wunderwerk, um ein Wesen, dass sich nirgends zugehörig fühlt. Ich kannte dieses Buch von Mira Lobe schon vor der Diagnose meiner Schwerhörigkeit, habe es immer und immer wieder durchgesehen und dabei wohl auch lesen gelernt. Während dieser Zeit habe ich( scheinbar) meine Umgebung so wahrgenommen, wie nichthörgeschädigte oder taub geborene Kinder. Als meine Schwerhörigkeit ihre Anfänge hatte, war ich 14 Jahre alt, umgeben von normalhörenden und einer Familie die mich von Beginn an in jeder Lebenslage unterstützte - aber niemand, wirklich niemand konnte mir das Gefühl geben, dazuzugehören.

Im Internet vor 12 Jahren, war für mich kein Ergebnis zu finden, kein Buch auf das ich gestossen bin, kein Eintrag den ich verschlingen hätte und mich dadurch besser fühlen können. Ich habe mich auch für Selbsthilfegruppen nicht begeistern können da ich mich ja noch nirgends zugehörig fühlte, ich war doch ,,normal''! Jegliche Gespräche mit meiner wunderbaren Akustikerin beim Hörgerätefachhandel, beim HNO Doc oder mit Freunden, gaben mir nicht das Gefühl,ich würde von nun an etwas anstreben, jemand werden, jemand sein, mich fühlen so wie ich mich heute eben fühle. Ich steckte fest.

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Warum Brille und Hörhilfe sich nicht unähnlich sind

Es ist generell unbekannt dass Hörhilfen – wie die Brille – die Lebensqualität betroffener Menschen sehr erhöhen können. Doch während das Hörgerät in der gesellschaftlichen Wahrnehmung noch eher ein Tabuthema ist, hat sich die Brille als normales Hilfsmittel zur Steigerung der Sehkraft etabliert und gilt schon eher als Mode-Accessoire. Das Hörsystem hingegen wird immer noch als Schwäche ausgelegt, welche unbedingt versteckt werden muss. Aber warum ist das so? Dieser Frage möchte ich auf dem Grund gehen.

Dazu eine kleine Anekdote aus meinem Leben: Neulich durfte ich zusammen mit einem Hörakustiker Vorträge an einer NMS in Tirol halten, wie berichtet. 12 x 50 Minuten hatten wir die Aufgabe den Jugendlichen der Schule das Thema „Hören, Lärmgefahren und Hörhilfen“ näher zu bringen. Dabei erfuhr ich, welche Vielfalt an Charaktere sowohl bei den Kindern als auch bei den Lehrern zusammenkommt. Es war richtig faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich die jungen Menschen auf das Thema reagierten.

Was mir aber extrem aufgefallen ist, war die ungebremste und unvoreingenommene Neugier der jüngsten Schülerinnern und Schülern, sowie die für mich gefühlt eher reservierte Haltung der höheren Schulstufen gegenüber Hörstörungen, frei nach dem Motto: Was anders ist, ist abnormal!

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Warum die Kaffeepause für mich keine Pause ist

Jeder kennt es: Eine feine Gesprächsrunde bei Kaffee und Jause mit mehreren Menschen in einem Raum. Viele Themen werden in kurzer Zeit abgesprochen: Witze werden erzählt, Pläne fürs Wochenende werden geschmiedet, Erfahrungen und Informationen werden ausgetauscht.  Locker wird gefachsimpelt, über Interna geplaudert und auch über Vorurteile philosophiert. Die Stimmung ist heiter und offen, das Gesprächsklima freundlich. Es wird gelacht, geschimpft, diskutiert, argumentiert und auch ein wenig geneckt. Oft ist ein Einzelner am Wort und die anderen hören zu, aber es wird auch durcheinander gesprochen. Soweit so gut und auch harmonisch.

Mitten darunter: Ich. Angestrengt und konzentriert versuche ich der Unterhaltungsrunde zu folgen, was mir nicht durchgehend gelingt. Es ist auch eine Geschichte der Tagesverfassung: Mal höre und verstehe ich Einiges, Mal vieles nicht. Ich möchte nicht dumm und begriffsstutzig wirken und den Gesprächsfluss ständig stören – deswegen Frage ich nicht immer nach, wenn ich was nicht höre. Obwohl ich mich unwohl fühle, versuche ich, zumindest nach außen Selbstbewusstsein auszustrahlen und frage mich ständig, ob mir das auch gelingt.

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Mission (C)Impossible: Back on stage in 6 months Part I

Man sagt, Musikhören sei die Königsdisziplin für Cochlea Implantat - Träger.
Man sagt außerdem, das CI ist nur für das Sprachverstehen ausgelegt.

Als ich im August 2016 hörsturzbedingt meine Recherchen über Cochlea Implantate begann, wurde ich mit vielen Halbwahrheiten konfrontiert. Teilweise stammte dieses Halbwissen von Ärzten, die es nicht besser wussten, teilweise auch von CI Herstellern, die ihre Produkte auch heute noch offensiv und euphorisch umwerben und die Konkurrenz unnötig diskreditieren.
Last but not least findet man auch im Internet ziemlich viel unbelegte Geschichten, welche alle möglichen und unmöglichen Thesen belegen sollen.

Als Laie fragte ich mich dann: Was stimmt denn nun wirklich? Die Aussage des regionalen Facharztes, dass man das Musizieren vergessen kann?
Die Werbung der CI Firmen, welche suggerieren, dass mit dem CI alles und mehr möglich ist? Oder etwa doch der Post von Mrs/Mr. X auf Facebook, der meint, mit CI sogar die Regenwürmer aus dem Nachbardorf husten zu hören? Ich stand also zwischen zwei Stühlen und wusste nicht was ich glauben sollte. Informationen mussten her, ich wollte so viel über die Materie CI wissen wie möglich. Denn wer nichts weiß muss bekanntlich alles glauben.

Weiterlesen ...
Geschrieben von Isabelle Mandl, M.Sc.

EINHÖRN.

Zurzeit kann man sich dem Einhorn-Hype kaum entziehen. Einhorn-Kekse, Einhorn-Duschgel, ja sogar Einhorn-Toilettenpapier gibt es zu kaufen. Selbstverständlich mit Duft nach Zuckerwatte und viel Glitzer. Ebenso viel Glitzer und Aufmerksamkeit sollte das Wort Einhörn bzw. Einhören erhalten. Als Logopädin, die in der Rehabilitation von PatientInnen mit Cochlea Implantaten arbeitet, sammle ich täglich  Erfahrungen, was für das Hörtraining förderlich und was dafür hinderlich ist.

Förderliche und hinderliche Faktoren für das Hörtraining

Sich selbst zu großen Druck machen und alles verstehen wollen: hinderlich.

Sich selbst Zeit geben, sich erst einmal auf die Hörtrainings-Übung einlassen, sich an den Stimmklang des Sprechers oder der Sprecherin gewöhnen und wertungsfrei die Tonhöhe, die Sprechgeschwindigkeit und die Sprachmelodie wahrnehmen: förderlich.

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Mein Reha-Aufenthalt in der Median Kaiserbergklinik, Bad Nauheim

Ich war vom 17.01.2017 bis 21.02.2017 in der MEDIAN Kaiserbergklinik in Bad Nauheim zur Rehabilitation auf Grund meiner Cochlea Implantat Operation vom Vorjahr. Ich möchte nun hier eine ausführliche Rezension zu meinem Aufenthalt veröffentlichen:

Vorab möchte ich sagen: Meiner Meinung nach ist die Möglichkeit zur Reha für CI Patienten und Hörgeschädigte notwendig und richtig. Egal wie gut oder schlecht jemand hört – in diesen 3 bzw. 5 Wochen hat der Mensch Zeit sich intensiv mit dem Hören zu beschäftigen. Man kommt aus dem Alltag raus, man erfährt Dinge über sich und das Hören sowie über sein CI bzw. sein Hörsystem, welche man vorher nicht wusste. Nach einer CI Operation oder nach einem Hörsturz muss der Körper sich erst einmal umstellen und neu sammeln, seine Kräfte bündeln. Dies gelingt meiner Meinung nach am besten bei einem intensiven Rehabilitationsaufenthalt. In Österreich gibt es leider keine Reha-Einrichtung, welche sich auf hörgeschädigte Menschen spezialisiert hat. Umso wichtiger ist es, dass zumindest in Deutschland erkannt wurde, dass solche Einrichtungen notwendig sind und deswegen war und bin ich sehr froh, dass man mich nach Bad Nauheim geschickt hat.

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Zur Nationalratswahl am 15. Oktober

Die Nationalratswahl in Österreich steht am Sonntag vor der Tür. Lange hab ich überlegt, ob in meinem Blog Platz für politische Themen sein soll. Denn was hat Politik mit Hörschädigung zu tun? Auf den ersten Blick wie es scheint nicht viel. Aber bei genaueren Betrachten erkennt man: Es sind die Politikerinnen und Politiker, welche Gesetzvorschläge und deren Änderungen im Nationalrat beschließen. Deswegen ist es sehr wichtig, auch als hörgeschädigter Mensch vom seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Denn jede Stimme zählt gleich viel und zur Abwechslung mal ist wirklich jeder Mensch gleichviel „wert“ – ein Umstand der in anderen Bereichen (Pflege, medizinische Versorgung, Judikatur uvm.) leider nicht mehr wirklich gilt, denn dort hat der Kapitalismus schon deutliche Spuren hinterlassen.

Weiterlesen ...
Geschrieben von Sebastian Fehr

Wie hörst du eigentlich?

In meinem Leben wurde ich schon mit vielen Fragen konfrontiert. Wenige davon konnte ich bisher zufriedenstellend beantworten. Viele Fragen haben sich so wie ich im Laufe der Zeit verändert, einige sind dennoch gleich geblieben. Nachfolgende Fragestellung scheint aber irgendwie zeitlos zu sein. Wahrscheinlich hat sie jeder hörgeschädigte Mensch in seinem Leben schon mal gehört. Obwohl so einfach und so schlicht, ist die Beantwortung umso schwieriger:

„Wie hörst du eigentlich?“

Immer wenn ich diese Frage höre, wird mir bewusst wie paradox die Welt eigentlich ist. Wenn man einen Guthörenden dieselbe Frage stellen würde, käme als Antwort: „Ja normal halt!“. Richtig – und warum sollte es mir als hörgeschädigten Menschen anders ergehen? Warum wird mir die Frage gestellt? Warum fragen Hörende sich nicht gegenseitig aus, wie sie eigentlich hören? Nur weil ich schlechter höre, heißt das doch nicht, dass ich anders höre?  Oder doch?

Weiterlesen ...