fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Vom Glotzen & Trotzen

Lustig ist es in der Bahn –
da glotzen mich oft die Leute an.
Hinschauen wollen sie ja eigentlich nicht,
trotzdem starren sie nicht auf mein Gesicht:

 

Denn hinterm Ohr, da sitzt mein CI –
doch danach Fragen traun‘ sich die Glotzer nie.
Lieber schauen sie immer wieder „unauffällig“ drauf,
das Starren fällt mir trotzdem immer auf.

 

Ob neugierige, mitleidige oder abwertende Blicke,
oft schau ich in die Richtung der Personen und nicke.
Sofort werden die Starrer vor Scham rot,
und wünschen sich den Sekundentod.

 

Doch soll mir mein CI deswegen peinlich sein?
Es hilft mir, ich hör damit und das ist wirklich fein.
Doch ich kann den Hörsystem-Trägern nachempfinden,
welche deswegen aus dem öffentlichen Leben verschwinden.

 

Mir persönlich macht das heut nichts mehr aus,
doch andere geh’n deswegen ungern außer Haus.
Schlimmer noch, sie nehmen in Kauf, nichts zu verstehen,
nur um den nervigen Blicken zu entgehen.

 

Das Leben besteht heute meist aus Oberflächlichkeit,
Distanz und Optik sind wichtiger als Werte und Offenheit.
Zur Partnersuche wird per App nach links oder rechts „geswiped“,
nichts scheint mittlerweile wichtiger als die Äußerlichkeit.

 

Und entspricht man optisch nicht der Norm,
oder ist man körperlich nicht wirklich in Form,
oder sieht man einfach anders aus als die breite Masse,
dann beginnt es meistens, dieses Gegaffe.

 

Doch soll ich nun deswegen mein CI verstecken?
Nein - sollen sie doch Glotzen und wenn sie es entdecken:
Dann sehen sie, ich bin nicht langweilig normal wie die breite Masse.
Ich trag mein CI mit Stolz und habe halt Klasse ;-)

 

© by Fehrhoert, 01.08.2018