fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Mit den AusHALLtigen bei Beats of Cochlea - Teil 1

Seit etwa 1 ½ Jahren bin ich Cochlea Implantat Träger und obwohl ich medizinisch taub bin, spiele ich immer noch leidenschaftlich Trompete und Flügelhorn. Aber warum eigentlich? Was treibt mich an? Ich nenne mal 4 Gründe:

1. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Musizieren das Sprachverständnis verbessert (es ist also quasi eine Eigen-Therapie)
2. Mir bereitet das Musizieren auch mit CI immer noch unheimlich viel Freude.
3. Meiner Erfahrung nach kann man auch mit CI sehr gut Musik (er)leben – entgegen aller Vorurteile.
4. Irgendwann in Zukunft würde ich gerne bei Beats of Cochlea teilnehmen können, dem einzigen internationalen Musikwettbewerb weltweit, bei welchem gleichgesinnte CI-Musiker aufeinandertreffen.

Letzteres Ziel habe ich nun schneller erreicht, als ich es jemals erwartet hätte: Tatsächlich wurde ich heuer, 18 Monate nach meiner Erstanpassung, mit der Tanzlmusig „Die AusHALLtigen“ zum Event-Ort nach Polen, genauer gesagt Warschau, eingeladen. Als Anfang Juni die endgültige Bestätigung kam, dass wir dort auftreten dürfen, konnte ich es erst gar nicht glauben: Denn immerhin gehen jährlich lt. Veranstalter an die 200 Bewerbungen ein – es gehört schon eine ordentliche Portion Glück dazu, um ausgewählt zu werden.


Denn die Anmeldeprozedur ist nicht einfach: Zwischen Februar und Mai des Veranstaltungsjahres kann man sich Online via Formular registrieren. Außerdem muss man eine Video bzw. Audiofile mitschicken, auf welche man sein Instrument spielt. Ein Handyvideo ist dabei völlig ausreichend. Ich hatte hier das Glück, dass es auf Youtube schon das ein oder andere Video von mir gab (youtubechannel: fehrhoert). Außerdem nahm ich noch ein Solostück mit meinem Smartphone auf, und schickte dieses dem Veranstalter zu.


Nachdem man das Formular und die Files eingereicht hat, heißt es warten. Alle eingesandten Videos müssen schließlich ausgewertet werden und das benötigt Zeit. Doch Anfang Juni bekam ich per Mail die Zusage, dass ich mit meinen Freunden nach Warschau kommen darf. Meine Bandkollegen freuten sich sehr mit mir und wir begannen uns, auf den Wettbewerb vorzubereiten. Keiner von uns wusste, was uns erwarten würde. Doch wir freuten uns auf ein gemeinsames Abenteuer, den wir alle kannten Polen bisher nur von der Landkarte.

Ein kleiner Tipp bezüglich Bewerbung: Es macht Sinn, mit seinem CI-Hersteller Kontakt aufzunehmen, bevor man sich bewirbt. Wenn der CI-Hersteller einen kennt und weiß, dass man musikalisch versiert ist, ist vieles einfacher, auch die Organisation.

Anreise

Das Monat zwischen Teilnahmezusage und Anreisetag verging viel zu schnell und gefühlt hatten wir zu wenig geprobt: Egal. Am 08.07.2018 um 21 Uhr stiegen wir den Leihwagen, den uns mein CI-Versorger Advanced Bionics zur Verfügung stellte, und wir fuhren etwa 1100 Kilometer vom schönen Tirol über österreichische, tschechische und polnische Autobahnen nach Warschau. Eigentlich wäre uns ja auch – wie allen anderen TeilnehmerInnen die nicht aus Polen kamen – ein Flug bezahlt worden, doch wir entschieden uns für die Fahrt mit einem Minibus: Wir wollten nicht von öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig sein und selbständig mobil sein. Außerdem ist das mit Musikinstrumenten und dem Gepäckdienst an Flughafen oft eine wackelige Sache: Dieses Risiko wollten wir vor allem unseren Tubisten auch nicht aussetzen. Jedenfalls kamen wir pünktlich um 8 Uhr am Veranstaltungsort an…..

....und vom Montag erzähl ich euch in Teil 2 :-)

Und hier wie versprochen der Link  zu Teil 2:  http://www.fehrhoert.com/index.php/blog/90-mit-den-aushalltigen-bei-beats-of-cochlea-teil-1i