fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Wie halten das Guthörende aus – die ganze Zeit?

Neulich habe ich ja einen Blog über die Stille und dem „Vorteil Gehörlosigkeit“ geschrieben. Heute möchte ich meine Bewunderung gegenüber Guthörende thematisieren: Denn zwei gesunde Ohren zu besitzen, ist heute längst nicht mehr selbstverständlich: Allein in Österreich sind laut jüngsten Veröffentlichungen am Österreichischen HNO-Kongress 2017 schon 22 % der Menschen hörgeschädigt – und es werden ständig mehr. Das bedeutet, jede/r vierte ÖsterreicherIn würde von der Krankenkasse eine Hörhilfe bezahlt bekommen, da sie medizinisch gesehen notwendig wäre. Verwunderlich ist umso mehr, dass nur 12 % davon versorgt sind – und nicht mal diese Menschen tragen ihr Hörsystem regelmäßig. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun möchte ich mal ernsthaft die Runde fragen: Liebe Guthörende, wir haltet ihr das aus? Den Alltags-, Verkehrs- oder Freizeitlärm? Diese ständige Beschallung, und das noch dazu hochauflösend: Dafür sorgen ca. 15.000 feine Härchen im Innenohr, welche durch das Mittelohr in Bewegung gesetzet werden und unermüdlich Schallwellen in elektrische Impulse umwandeln. Das muss doch ziemlich nervig sein?



Nie habt ihr eine Ruhe, ständig seit ihr Schallpenetrationen zwischen 30 Dezibel (db) und 95 db ausgesetz – auch Nachts! Manchmal geht der Lärm auch in den niederen dreistelligen Bereich. Ist das manchmal nicht sehr belastend?

Ich muss deswegen so blöd fragen, weil ich von Geburt an auf einem Ohr taub bin: Ich weiß ja nicht, wie es ist, perfekt auf zwei Ohren zu hören. Ich habe keine Ahnung wie sich Stereo- bzw. Richtungshören wirklich anfühlt. Ich beneide euch um diese Fähigkeiten, aber eines weiß ich auch: Die Welt war schon mit einem sehr gut funktionierenden Ohr vor rund 20 Jahren laut und sie ist auch heute mit CI Versorgung phasenweise sehr laut. Nur kann ich die Welt heute „stummschalten“ - und ihr nicht.

Mich interessiert es daher ernsthaft: Liebe Guthörende, wie schafft ihr es bei diesem ständigen Lärmpegel mit zwei sehr guten Ohren nicht wahnsinnig zu werden? Das ist echt eine Frage, über die ich die letzten Tage öfters gegrübelt habe. Leider werde ich in diesem Leben keine Antwort darauf finden. Aber eines weiß ich: Ich bin froh, dass ich ab und zu meine „Ruhe“ haben kann!

 

Euer Sebastian