fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Mein Reha-Aufenthalt in der Median Kaiserbergklinik, Bad Nauheim

Ich war vom 17.01.2017 bis 21.02.2017 in der MEDIAN Kaiserbergklinik in Bad Nauheim zur Rehabilitation auf Grund meiner Cochlea Implantat Operation vom Vorjahr. Ich möchte nun hier eine ausführliche Rezension zu meinem Aufenthalt veröffentlichen:

Vorab möchte ich sagen: Meiner Meinung nach ist die Möglichkeit zur Reha für CI Patienten und Hörgeschädigte notwendig und richtig. Egal wie gut oder schlecht jemand hört – in diesen 3 bzw. 5 Wochen hat der Mensch Zeit sich intensiv mit dem Hören zu beschäftigen. Man kommt aus dem Alltag raus, man erfährt Dinge über sich und das Hören sowie über sein CI bzw. sein Hörsystem, welche man vorher nicht wusste. Nach einer CI Operation oder nach einem Hörsturz muss der Körper sich erst einmal umstellen und neu sammeln, seine Kräfte bündeln. Dies gelingt meiner Meinung nach am besten bei einem intensiven Rehabilitationsaufenthalt. In Österreich gibt es leider keine Reha-Einrichtung, welche sich auf hörgeschädigte Menschen spezialisiert hat. Umso wichtiger ist es, dass zumindest in Deutschland erkannt wurde, dass solche Einrichtungen notwendig sind und deswegen war und bin ich sehr froh, dass man mich nach Bad Nauheim geschickt hat.



Die ersten 3-4 Tage waren für mich die stressigsten, denn die allfälligen Erstuntersuchungen und -gespräche im Haus mit den Ärzten sind Zeitfresser, aber notwendig. Am Anfang legt man mit der Stationsärztin die Rehabilitationsziele fest. Danach muss man seine Hörgeschichte öfters wiederholen. Die Ärzte, das Pflegepersonal und die Mitpatienten – alle sind sehr interessiert und wollen es genau wissen – deshalb erzählte ich meine Hörhistorie gerne öfter. In der Regel hat man – je nachdem wieviel Reha-Ziele man mit der Stationsärztin festgelegt hat – zwischen 4 und 8 Anwendungen pro Tag. Als CI-Träger hat man täglich 2 Hörtrainingseinheiten (Gruppen und Einzelhörtraining), 2 x wöchentlich Kommunikationstraining, Einzel- und Gruppengymnastik fürs Gleichgewicht (bis zu 3 mal die Woche, wenn man Gleichgewichtsstörungen hat), sportliche Anwendungen (wenn möglich), sowie mehrmals wöchentlich CI-Einstellungen, Audiometrie-Sitzungen und diverse Schulungen und Vorträge über Technik, Medizin und Psyche. Hinzu kommt noch wöchentlich entspannende Behandlungen wie „Massage“, „Wärmepackung“ und „Hydro-Jet“ Das für mich die Zeit unter der Woche quasi im nu verflogen ist, brauch ich wohl nicht extra erwähnen.

Nun zu meiner Bewertung:

Für mich ist die große Stärke der MEDIAN Kaiserbergklinik das überaus freundliche Ärzte- und Pflegepersonal, welches nicht nur mit fundiertem fachlichem Wissen punktet, sondern auch sehr bemüht um das Wohlbefinden der Patienten ist. Selten zuvor hab ich solch einen zuvorkommenden aber niemals aufdringlichen Umgang mit Patienten erlebt. Noch dazu hatte ich nie wirklich das Gefühl, dass die Ärzte unter Zeitdruck standen, obwohl insgesamt etwa an die 200 Patienten zu betreuen waren.

Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle die die Vestibulär-Untersuchung. Selten zuvor habe ich einen so geduldigen Arzt erlebt, der sein Fachwissen einem Laien wie mir zugänglich gemacht hat und sich nicht zu schade war, mir viele Zusammenhänge in möglichst einfachen Worten zu erklären. Darüber hinaus verfügte der Arzt welcher mich untersuchte, offensichtlich über einen riesigen Erfahrungsschatz, von dem nach meiner Ansicht nach sowohl die Ärzte als auch die Patienten im Rehazentrum nur profitieren können.

Meine Stationsärztin überzeugte mich ebenfalls mit ihrer zuvorkommenden Art, ebenso wie die anderen Turnusärzte. Egal mit welchen Problemen ich zu ihnen kam – die Bandbreite reichte von Nasenbluten, über verschreibungspflichtige Medikamente zum Sport bis hin zur ausführlichen Analyse meiner gesundheitlichen Gesamtsituation. Meine Stationsärztin forderte mich auch immer wieder auf, bei Problemen zu ihr zu kommen – nicht nur deshalb fühlte ich mich gut aufgehoben.

Ein weiterer Pluspunkt sind die täglichen Gruppen- und Einzelhörtherapien. Hier wird einem oft schonungslos aufgezeigt, bei welchen Buchstaben oder Lauten es hapert. In Folge dessen kann man bei der hausinternen CI oder Hörgeräteinstellung versuchen, der persönlichen Schwäche entgegenzuwirken. Oder aber man kann im Zimmer gezielt Übungen am zur Verfügung gestellten PC durchführen, um sich hinsichtlich des individuellen Problemfeldes zu verbessern. Das war für mich sehr angenehm.

Weiters möchte ich noch den sehr zuvorkommenden Techniker von der CI-Einstellung erwähnen. Was dieser Mann leistet, sollte nicht als selbstverständlich angesehen werden: Nicht nur, dass er sich bei allen CI Systemen, also Advanced Bionics, Cochlear, Medel und Oticon auskennen muss, nein. Er muss auch bei den verschiedenen Einstellungssoftwares sicher agieren können. Angesichts dieser „Mammutleistung“ möchte ich meinen Hut ziehen. Vor allem mit welcher Ruhe und Geduld er versucht, die beste Lösung für die Patienten zu finden, ist schon beeindruckend. Auch die terminliche Flexibilität, welche dieser Mann an den Tag legt – bei technischen Notfällen, usw. – darf nicht unerwähnt bleiben.

Ein weiteres Plus ist die demographische Lage, direkt an einem See/Stadtpark. Dieser lädt zum Laufen und Spazierengehen ein. Auch gibt es in Bad Nauheim und Umgebung sehr viele Möglichkeiten zum Einkaufen und Essengehen, zumal auch Frankfurt und weitere größere Städte sehr nahe liegen. Trotzdem versprüht Bad Nauheim ein familiäres und feines Flair, im Sommer ist es hier sicher noch schöner als im Winter.

Last but not least möchte ich dazu gratulieren, dass in der Median Kaiserbergklinik so viele Menschen arbeiten, die ebenso eine Hörminderung haben oder ein CI tragen. Die Ärzte und das Fachpersonal mit CI geben gerne ihre persönlichen Erfahrungen an die Patienten weiter und das macht die Rehaklinik sehr authentisch.

Ein Wort zu Verpflegung: Das Essen war ok, mehr aber nicht. Aber das habe ich mir erwartet und ich war deswegen nicht enttäuscht. Das Gemüse, welches zu Mittag übrig bleibt, wird oft am nächsten Tag nochmal als Salat angeboten. Das ist legitim und das macht man zu Hause auch. Kulinarische Highlights sollte man sich aber nicht erwarten – wenn man das nicht macht, ist man nachher nicht enttäuscht. Man muss sich immer bewusst sein, dass man sich in einem Rehabilitationszentrum befindet und nicht in einem 4 Sterne Hotel.


Nun möchte ich auch kurz ausführen, was mich in Bad Nauheim gestört hat:

Etappenweise finden und fanden Umbauarbeiten auf den Zimmern statt, und zwar immer am Anfang des Jahres. Nur von Jänner bis Februar wird renoviert, um für den Rest des Jahres ein ruhiges und erholsames Rehazentrum den Patienten gewährleisten zu können. Diese Maßnahmen sollen bis 2019 abgeschlossen sein. (Kleiner #fehrhoert Insidertipp daher: Wenn ihr für 2018 eine Reha in Bad Nauheim plant, am besten diese nach Februar ansetzen)

Leider ging mein Aufenthalt nun genau von Jänner bis Februar und noch dazu hatte ich eines der wenigen alten Zimmer erwischt. Das war wohl Pech. Für mich war aber die Lärm- und Schmutzbelastung schon sehr störend. Auch in Sachen Zimmerkomfort fühlte ich mich gegenüber den anderen Patienten etwas benachteiligt.

Die damalige WLAN-Situation in der MEDIAN Kaiserbergklinik war eine sehr unbefriedigende: So gab es zu meinem Aufenthalt noch kein WLAN auf den Zimmern. Um überhaupt WLAN-Angebot in der Lobby benützen zu können – welches selbst dort nicht fehlerfrei lief – musste man noch einen Extrabetrag bezahlen.

Die Rücksprache mit der Klinikleitung diesbezüglich ergab folgendes:

Im Laufe des Jahres 2017 soll es WLAN auf den Zimmern geben. Als erste MEDIAN-Klinik deutschlandweit wird dies in Bad Nauheim erstmals umgesetzt. Derzeit wolle man sich überlegen, ob man für das momentane WLAN Angebot nicht auf das Entgelt verzichtet – wie das nun schlussendlich entschieden wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

Fazit meines Aufenthaltes in Bad Nauheim:

Es war wichtig für mich, eine Reha zu absolvieren, um mich besser an das CI zu gewöhnen und ich hoffe, dass auch künftige Betroffene eine Reha absolvieren dürfen und können. Das ärztliche Personal in Bad Nauheim ist ebenso hervorragend wie die Fachkräfte, nur das fehlende WLAN ist ein Minus, ebenso wie der Umstand, dass ich mit Renovierungsarbeiten konfrontiert war.

Das Gebäudekomplex ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen und das merkt und sieht man als Patient natürlich. Durch aufwändige Renovierungsarbeiten im Gebäudeinneren versucht man allerdings, dem aktuellen Lebenstandart gerecht zu werden.

In Sachen Hygiene und Sauberkeit kann ich leider keine faire und objektive Bewertung abgeben, da mein Aufenthalt eben in die 2-monatige Etappenbauphase des Hauses fiel. Ich weiß daher nicht, wie der Sauberkeitszustand ist, wenn nicht gebaut wird und “Normalbetrieb” herrscht. Außerdem musste ich auch mit einem der wenigen unrenovierten Zimmer vorlieb nehmen. Dieser Umstand gepaart mit unglückliche Rehabilitationszeitpunkt inmitten der Renovierungsarbeiten trübt daher meinen persönlichen Eindruck etwas. Betreffend Sauberkeit und Hygiene wird sich daher wohl jede/r PatientIn selbst ein Bild machen müssen.

Nichts desto trotz: Wenn diverse Dinge – wie zB die WLan Situation – wie angekündigt behoben werden, hat die MEDIAN Kaiserbergklinik in Bad Nauheim für mich durchaus das Potenzial für eine Top-Rehabilitationseinrichtung. Die meiner Meinung nach tolle demographische Lage der Einrichtung spricht jedenfalls auch für sich.

Unterm Strich verließ ich Bad Nauheim mit neuen Freunden und einem sehr guten Hörerfolg im Gepäck – und darauf kommt es schlussendlich an.