fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Der Weg zur richtigen Hörsystem Einstellung

Es gibt sehr viele Hörhilfen für alle möglichen Arten und Unarten von Hörverlust. Deren optimale Einstellung auf den Anwender ist ein laufender Prozess, doch leider ist das einigen Betroffenen nicht bewusst.

Viele Hörgeschädigte glauben nach dem Erwerb eines Hörsystems oder nach einer CI OP gibt es keinen Aufwand mehr für einen selbst. „Der Hörakustiker wird’s schon richten“, so das Credo. Um aber schlussendlich mit dem neuen „Empfänger“ gut zurecht zu kommen, bedarf es neben dem regelmäßigem Hörtraining allerdings einer maßgeschneiderten und persönlichen Anpassung. Deshalb führt der erste Weg natürlich zu einem Hörsystem-Techniker. Meistens macht das der ortsnahe Hörakustiker oder Audiologe, welcher von den Herstellerfirmen die Einstellungssoftware bekommt und entsprechende Weiterbildungen absolvieren muss. Im Gegensatz dazu finden die ersten Anpassungen nach einer CI Operation direkt in der Operationsklinik statt.


Die ersten Einstellungen sind in der Regel recht „defensiv“ und eher leise: Man will den Anwender nicht überfordern. Denn auch der Körper braucht Zeit, um sich an den veränderten Höreindruck zu gewöhnen. Es ist daher vor allem am Anfang zielführend und notwendig, zumindest im 14 tägigen Rhythmus dem Hörakustiker oder der Klinik einen Besuch abzustatten. Unser Gehirn ist nämlich sehr flexibel und gewöhnt sich langsam an die veränderte Stimulierung und die neuen Hörreize. Deswegen muss das Hörsystem regelmäßig an den aktuellen Gewöhnungsgrad des Anwenders angepasst werden.  Eine hohe Erwartungshaltung gegenüber der ersten Einstellung ist deswegen kontraproduktiv, denn wie so oft gilt: Gut Ding braucht bekanntlich Weile.
Gleich vorweg: Ich hatte immer das Glück, dass ich in Sachen Hörsystemanpassung – aber nun auch als CI-Anwender - immer mit sehr kompetenten Menschen zusammenarbeiten durfte. Und ich sage bewusst zusammenarbeiten, denn eine Anpassung bedeutet auch für mich als Anwender „Arbeit“: Die Techniker und ich haben gemeinsam das Ziel, das System so gut wie möglich auf mich und meine Bedürfnisse abzustimmen. Daher muss ich mich auch entsprechend auf die Einstellungseinheiten vorbereiten: Was hat sich seit der letzten Anpassung verändert? Höre ich besser? Ist etwas schlechter geworden? Was möchte ich anders haben? Was könnte besser sein? In welchen Situationen tue ich mich schwer? Welche Dinge haben beim Hörtraining gut funktioniert? Welche eher schlecht?

Diese und viele weitere Fragen habe ich mir immer wieder gestellt und manchmal auch Notizen dazu gemacht. Die Hörakustiker schätzen es in der Regel sehr, wenn der Anwender gut vorbereitet und mit klaren Vorstellungen zur Anpassungssitzung kommt. Denn nur so kann man gemeinsam das Maximum für sich und seine Lebensqualität herausholen. Nebenbei erhöhen solche produktiven Hörsystemeinstellungs-Sitzungen auch die Erfahrungswerte des Technikers. Im Idealfall findet also ein „Geben und Nehmen“ statt, ein stetiger Austausch zwischen Anwender und Hörakustiker, denn eines ist definitiv klar: Ohne Rückmeldung des Kunden kann selbst der beste Hörakustiker keine gute Anpassung vornehmen. Hörsystemtechniker sind keine Zauberer, auch wenn es einem vielleicht manchmal so vorkommen mag.

Eines meiner Grundprinzipien ist: Versuche immer das Beste aus einer Situation herauszuholen. Der ist-Zustand als hörgeschädigter oder sogar gehörloser Mensch ist zwar beschissen, aber bei weitem nicht aussichtslos. Es gibt sehr viele Hilfen und Möglichkeiten, sich trotzdem aktiv in der akustischen Welt zu bewegen und einzubringen. Man muss es nur wollen.

Für mich ist ein Termin beim Hörsystemtechniker daher keine lästige Pflicht; sondern eine weitere Möglichkeit meine Lebensqualität zu verbessern, ähnlich wie beim Hörtraining. Dazu muss man aber auch wie oben beschrieben selbst seinen Beitrag leisten und man darf nicht vergessen, dass es sich beim „Rantasten“ an die optimale Hörsystemeinstellung um einen laufenden Prozess handelt. Das Hören ist eine sehr komplexe Sache und funktioniert nicht auf Knopfdruck. Der Weg ist mitunter auch das Ziel und ein gut abgestimmtes Hörsystem kann die Lebensqualität enorm steigern. Viele würden gar nicht glauben was so alles möglich ist, wenn man geduldig aber doch akribisch versucht, gemeinsam mit dem Techniker das persönliche Limit auszuloten.

Über diese Grenzen und Limits, wie ich sie mit Hörgerät und CI erfahren habe – wie zum Beispiel beim Sprachverstehen aber auch was das aktive Musizieren oder das Musikhören anbelangt – werde ich in einem meiner nächsten Blogs auf fehrhoert schreiben, ebenso wie über das Hörtraining.