fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Social Media, Smartphones und McDonalds – Fluch oder Segen?

Heute mal ein etwas ungewöhnliche Blog zu einer selten diskutierten Thematik, aus meiner Sicht beleuchtet:

Was haben das Social Media, Smartphones und McDonalds gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Einige Menschen meiden die genannten Begriffe wie Fledermäuse das Tageslicht. Andere verbringen mehrere Stunden via Smartphone auf Facebook und Co und gehen mehrmals wöchentlich zu McDonalds. Ich kann die kritischen Standpunkte zu diesen Verhaltensmustern sehr gut verstehen. Als Schwerhöriger und später Gehörloser habe ich jedoch diese 3 Erfindungen durchaus zu schätzen gelernt, und werde hier nun auch ausführen warum.

Den Anfang haben für mich die Handys gemacht. Früher noch mit schwarz-weiß Displays, war ich sehr angetan von den Dingern. Nicht nur wegen den Spielklassikern wie „Snake“ oder „Tic Tac“ sondern vor allem wegen der SMS-Funktion. Mir war es nun via Kurznachrichten möglich, mit Freunden oder den Eltern schriftlich zu kommunizieren. Ohne Ton. Ohne Angst haben zu müssen, etwas nicht zu verstehen oder einen Termin nicht mitzubekommen. Mensch, das war eine richtige Wohltat.

So war das Internet während meiner Pubertät noch Mangelware und wurde von meinen Eltern streng limitiert. Doch Dank den SMS konnte ich problemlos Kontakt mit den wenigen Personen halten, die in meiner Schulzeit zu meinen Freunden zählten.

Als dann die ersten Smartphones herausgekommen sind, war die Öffentlichkeit noch skeptisch. Doch ich war überzeugt von dem Produkt und kaufte mir 2007 mein erstes Smartphone. Ein Goldgriff, wie sich für mich herausstellen sollte und auch die Entwicklung heute zeigt.

Nicht nur, dass die Kommunikation für mich wesentlich einfacher wurde – ich konnte das Smartphone nämlich nun mit meinem E-Mail Konto synchronisieren – sondern auch der direkte Zugriff aufs Internet und Facebook mit einem Gerät war für mich ein Segen. So konnte ich nun mehreren Leuten via Facebook jederzeit in Kontakt bleiben, ohne mit ihnen sprechen zu müssen. Von dieser Möglichkeit nahm ich reichlich gebrauch. Später kam dann auch noch WhatsApp dazu, was zur Folge hatte, das sich kaum mehr telefonieren musste. Darüber war ich wirklich sehr froh.

Facebook und WhatsApp sind für mich die besten Erfindungen der Kommunikation für hörgeschädigte Menschen nach Hörgeräten und Cochlea Implantaten. Man kann es drehen und wenden wie man will – der schriftliche Informationsaustausch wurde durch die Sozialen Medien und WhatsApp forciert. Dadurch wurde das Leben für hörgeschädigte Menschen wie mich indirekt vereinfacht. Wünschenswert wäre noch, wenn es künftig möglich wäre, mit Kliniken oder Behörden via WhatsApp oder Facebook zu kommunizieren. Aber das ist vor allem in Österreich wohl noch Musik von übermorgen.

Schattenseiten der von mir oben genannten Technologien gibt es neben der möglichen Entwöhnung von Realkontakten allerdings zahlreiche. Vor allem, als ich letztes Jahr eine Zeit lang gehörlos war, verwendete ich ausschließlich das Smartphone als Kommunikationsmittel. Obwohl ich heute dank dem CI gut höre, blieb das "Handy" zunächst das erste Mittel der Wahl, wenn es um die Verständigung mit Mitmenschen ging. Es entstand rasch für mich eine Art der Abhängigkeit, welche meine Freundin auch heute noch immer wieder an mir aufdeckt. Es wird wohl noch dauern, bis ich mich bei der mündlichen Kommunikation wieder sicher fühle. Ich bin aber trotzdem froh darüber, jederzeit wieder auf WhatsApp & Co zurückgreifen zu können, wenn ich mal keinen Bock auf Lautsprache habe.

Dass das Internet auch gefährlich sein kann, ist auch bekannt. Hacker und Virus-Mails sind keine Hirngespinste, deswegen ist es wichtig, sich mit einer entsprechenden Software zu schützen. Aber auch dann sind Datenverluste nicht 100%ig ausgeschlossen. Und was die amerikanischen Überwachungssysteme alles filtern, möchte ich gar nicht wissen. Dieses Risiko muss jeder Anwender selber für sich abschätzen.

Aber was hat das nun alles mit McDonalds zu tun? Eigentlich recht wenig. Nur gibt es bei der Fast-Food-Kette neuerdings diese „Kiosk“-Bestellautomaten (siehe Beitragsbild). Damit muss man nun also mit niemanden mehr sprechen, wenn man bei McDonalds was essen will. Eine weitere Erfindung, wozu ich nur gratulieren kann. Auch wenn diese Entwicklung wohl einen anderen Hintergrund hat, als die Erleichterung des Lebens von hör- und sprachgeschädigten Menschen – Stichwort Automatisierung. Über die Produkte der Fast-Food-Kette kann man sehr gut streiten, denn gesundes Essen sieht wohl anders aus. Doch dieses Fass will ich an dieser Stelle nicht öffnen. Aber diese technische Innovation sollte schon mal erwähnt werden. Denn ich genieße es, ohne CI ab und zu in den nächsten McDonalds zu gehen, was zu essen, in Stille das bunte Treiben im Restaurant zu beobachte, um nebenher einen Blog für #fehrhoert zu schreiben oder an meinem Buch zu arbeiten. Ich wünschte nur, ich hätte mehr Zeit dazu.

Unterm Strich will ich mit diesem Blog zeigen, dass die Technik das Leben der schwerhörigen und gehörlosen Menschen in den letzten Jahren unbewusst erleichtert hat – und auch Hörende profitieren von den Innovationen. Wie sehr man sich mit den diversen Produkten und sozialen Medien auseinandersetzt, bleibt einen selbst überlassen. Es handelt sich um zweischneidige Schwerter, das wurde auch mir bewusst.  Aber die Menschen benützen auch Autos, obwohl die jährliche Totenstatistik im Straßenverkehr zeigt, dass es wesentlich sicherer ist, kein KFZ zu bewegen.

In diesem Sinne blicke ich entspannt in die Zukunft, denn die Tablet- und Smartphone-Technologie ist sicher noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt. Und vielleicht wird es auch in den nächsten 20 Jahren Innovationen und Erfindungen geben, wovon hörende, schwerhörige und auch gehörlose Menschen profitieren können.