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Geschrieben von Sebastian Fehr

Wie man sich als CI-Träger auf ein Konzert vorbereitet

Ein Follower auf Facebook hat mir vor kurzem geschrieben: „Auf Social Media sehe ich immer wieder, dass du Konzerte spielst – aber wie bereitest du dich eigentlich auf ein Konzert vor? Hat sich die Konzert Vorbereitung verändert seit deiner CI-Versorgung? Und wenn ja – was hat sich verändert?“ Ich möchte jetzt mal „Licht ins Dunkel“ bringen und mal beschreiben, wie die Vorbereitungen für mich konkret aussehen, denn es hat sich für mich einiges verändert:

Zunächst ist da mal das regelmäßige Üben, das sich leider nicht verändert hat: Ich schaffe ich es nicht mehr täglich, meine Instrumente zur Hand zu nehmen, aber ich bemühe mich – insbesondere vor Auftritten – meinen Ansatz einigermaßen so herzurichten, dass ich das Auftrittsprogramm durchstehe. Da ich ein Instrument spiele, dass regelmäßiges Üben vorrausetzt, kann ich mir es nicht leisten, mehrere Tage nicht zu spielen, denn Höhe und Ausdauer leiden sofort darunter. Da beneide ich meine Kolleg*innen, die Klarinette, Oboe, Tenorhorn oder Tuba spielen, bei welchen dieser Effekt sich vielleicht nicht so gravierend auswirkt. Gleichzeitig bewundere ich Hornist*Innen, welche wohl ein noch „schlimmeres Los“ gezogen haben – aber das ist ein anderes Thema.

Eigentlich beginnt bei mir dir Vorbereitung auf einen Auftritt schon früh: Ich suche mir Aufnahmen von den Kompositionen, die wir im Programm haben (meist auf Youtube) und höre sie mir öfters an. Zusätzlich besorge ich mir die Partituren von den Stücken, die ich nicht kenne und studiere diese. Das geschieht meist Wochen, wenn nicht Monate vor einem Auftritt. Da wir mit den AusHALLtigen z.B. überwiegend selbstkomponierte Stücke spielen, die noch nicht aufgenommen oder verlegt wurden, ist das relativ einfach: Ich drucke mir die Partituren vom Notenprogramm aus und kopiere mir die „MIDI“-Files des Noten-Programms auf das Smartphone. Diese „MIDI“-Files klingen zwar oft statisch und steril, reichen mir aber um das Stück „in den Kopf“ zu bekommen. Oft gehe ich mit der Musik des „MIDI“-Files im Ohr die einzelnen Stimmen durch, so lange, bis ich jede Stimme „gehört“ habe. Dabei liegt es auf der Hand, dass ich mich da in einer kleineren Gruppe (z.B. „die AusHALLtigen“) leichter tue und es da schneller geht, als bei Werken für symphonisches Orchester - bei letzterem klingt es bei manchen Stellen für mich nach einem undefinierbaren Klangbrei. Da muss ich dann öfter, mit der Partitur vor den Augen, drüber hören um die Harmonien und den Melodiegang zu verstehen. Ein absoluter Alptraum sind deswegen für mich sogenannte „Leseproben“ mit dem symphonischen Orchester, wo wir quasi neue Stücke für das nächste Konzertprogramm anspielen – das kann man sich ungefähr so vorstellen, wie wenn man mit geschlossenen Augen Autofährt, man aber trotzdem jede Kreuzung, Spurwechsel oder Auf- oder Abfahrt erwischen sollte.

Wenn das Programm dann halbwegs im Kopf ist, bereite ich meine Stimme so gut es mir möglich ist, vor. Dabei übe ich viel mit dem Stimmgerät. Ich sollte auch noch mehr mit einem Metronom üben, aber leider hab ich noch kein Gerät gefunden, welches den Trompetensound „übertönt“ und ein optisches Metronom funktioniert bei mir auch nicht, weil ich mich ja auf die Noten konzentrieren muss – ich bin leider kein „Multitasking“-Talent. Aber vielleicht ist ja die „Soundbrenner Smartwatch“ künftig eine Investition wert….

Jedenfalls, wenn das alles getan ist, und das Konzert vielleicht noch eine Woche weit weg ist, spiele ich meine Stimme ohne CI (!) durch und nehme das mit meinem Smartphone auf. Das mache ich aus 4 Gründen: 1. möchte ich das Stück „im Gefühl“ haben, 2. ist das für mich eine gute Übung, sich auf seine anderen Sinne beim Spielen zu konzentrieren. 3. ich kann danach anhand der Aufnahmen hören, welche Stellen ich nachjustieren muss oder worauf ich aufpassen sollte und 4. kann es ja sein, dass das CI ausfällt (vom Kopf rutscht oder der Akku wird leer) und darauf möchte ich vorbereitet sein. Letzteres ist sogar schon mal bei einem Konzert mit den AusHALLtigen vorgekommen, aber nur mir aufgefallen – darauf bin ich schon ein wenig stolz.

Dazwischen sind natürlich die eigentlichen Proben mit den Gruppen – jede davon hilft mir, die Stücke zu hören & zu verstehen und meinen Part halbwegs abzuliefern.

Am Konzerttag packe ich neben den Instrumenten, den Noten und den Mundstücken, die ich brauche, natürlich meinen Pitch-Tuner sowie genügend Ersatz-Akkus fürs CI ein. Das CI hängt ja sowieso am Ohr, da brauch ich nicht extra daran denken. Ich hoffe dann, dass alles so funktioniert wie ich es mir vorstelle und die Kolleg*Innen halbwegs nach den Noten spielen und nicht brutal Improvisieren („farbeln“) zu beginnen, weil das verwirrt und irritiert mich dann doch oft etwas, vor allem bei größeren Besetzungen. Gleichzeitig hoffe ich, dass das Publikum & der bzw. die Bandleader*In mit unser bzw. meiner Darbietung zufrieden sind, weil ich bin es selten mit mir selbst und frage mich, ob ein guthörender das vielleicht besser gemacht hätte?

Ich denke ich konnte einen kleinen Einblick in meine Konzertvorbereitung geben, welche je nach Besetzung und Stücken mehr oder weniger aufwendig erfolgt. Euer Sebastian.