fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Ich weiß ja nicht, ob es nicht geht, deswegen versuche ich es mal...

In den letzten 2 ½ Jahren (ja, viel länger bin ist meine OP noch nicht her, obwohl es mir mittlerweile wie eine Ewigkeit vorkommt) hab ich einiges über die Floskeln: „Das geht nicht!“ oder „Das ist unmöglich“! oder „Das wird nicht funktionieren“ gelernt. Um es Vorwegzunehmen: Diese Aussagen sind reine Hemmer und auf tirolerisch richtige „owizahrer“. Vielmehr denk ich im Rückblick heute an das Sprichwort: Und da kam jemand, der wusste nicht, dass das nicht geht und hat es einfach gemacht. Ja, so in etwa würde ich meinen Weg heute beschreiben, vor allem wenn ich an die Musik denke.

 

Zunächst hab ich meine Instrumente verkauft, weil zahlreiche Ärzte zu mir gesagt haben: „Trompetespielen, das kannst du in Zukunft vergessen! Du kannst froh sein, wenn du danach ordentlich Sprache verstehst“. Meine Erwartungshaltung und Hoffnungen waren daher vor meiner OP unter 0 – an das Musizieren wagte ich zunächst gar nicht erst zu denken. Viel mehr wollte ich einfach die Stimmen meiner Verwandten und Freunde erkennen und mit ihnen kommunizieren können. Aber auch das schien mir auf Grund der CI-Simulationen, die ich mir im Internet anhörte, ein aussichtsloses Unterfangen zu werden. Etwas Panik und Verzweiflung muss ich mir in dieser Lebensphase durchaus eingestehen.

Dann hatte ich das Glück, dass ich an einen Arzt geriet, von dem ich mich dann später auch operieren hab lassen: Dr. Sprinzl und sein Team versprühten Optimismus und er meinte, man werde sehen wie ich mit dem neuen Hören klarkommen werde: Versprechen könne er nichts, aber die Vorrausetzungen mit dem Restgehör seien positiv, vieles kann der Patient nach seiner OP auch mitbeeinflussen – das war sein Zugang. Dabei empfahl er mir neben einer ordentlichen ambulanten Reha per audiotherapeutischen Betreuung auch eine Musiktherapie, nach welcher ich selber recherchieren sollte. Gesagt – getan. Ich holte mir professionelle Hilfe mit Ulrike Rülicke und Ulrike Stelzhammer an meine Seite: Das Ergebnis kann man ja ausführlich auf diesen Blog nachlesen. Später empfahl mir ebendieser Arzt auch eine stationäre Reha, von der ich ebenfalls bereits einen Blog geschrieben habe.

 

Nachdem ich in Punkto Sprachverstehen schnell recht gute Ergebnisse erzielte, ermutigten mich Ulrike & Ulrike relativ rasch nach der OP, wieder das Instrument in die Hand zu nehmen, und zu probieren. Zunächst hielt ich das für einen Scherz, denn ich dachte mir: „Das geht nicht“. Doch die Neugier war größer als die Zweifel und so lieh ich mir eine Trompete aus und begann zu spielen. Die ersten Töne waren neu und ungewohnt und um es authentisch in meinen damaligen Worten niederzuschreiben „richtig abgefuckt“. Doch wenn ich begann, eine mir geläufige Melodie zu spielen, erkannte mein Hirn das Muster sofort und der Klang war plötzlich ergiebiger und verbesserte sich bei jeder Wiederholung. Deswegen kann ich Betroffenen nur raten: Spielt trotz erstem Schock weiter, vor allem geläufige Stücke. Nur über reps, reps, reps und nochmal reps (also Wiederholungen) kann man sich selbst und vor allem das Hirn an den neuen Höreindruck gewöhnen.

 

„Ok“, dachte ich mir dann damals: „alleine spielen ist schön und gut, aber in der Gruppe wird das sicher nie mehr was!“ Trotz meiner negativen Gedanken war auch hier die Neugierde wieder stärker als der Zweifel. Und so trommelte ich mit Hilfe von Otto Hornek (der mich immer wieder sehr ermutigte, weiterzuspielen) eine Tanzlmusig zusammen und wir spielten hauptsächlich mir geläufige Stücke: Kompositionen, welche ich und vor allem mein Vater komponierte und siehe da: Es funktionierte und es war die Geburtsstunde „der AusHALLtigen“ – seither spielen wir mehr oder weniger regelmäßig in dieser Besetzung.

 

Da die Stücke, die wir mit der Tanzlmusig spielen, bisher weder verlegt noch aufgenommen wurden, keimte schnell die Idee nach einer professionellen CD auf. Mein erster Gedanke war natürlich: „Das ist nicht möglich, ein medizinisch Gehörloser, der nur Dank CI hören kann, kann doch keine CD aufnehmen – das hat doch noch nie jemand gemacht!“. Und nach längerer Recherche war mir bewusst: Das hat wirklich noch keiner auf diesen Globus gemacht und ich weiß auch Stand heute (noch) nicht, ob es möglich ist. Doch gemeinsam mit meinen KollegInnen der AusHALLtigen und dem Aufnahmestudio ASR –Records wollen wir es sehr zeitnah versuchen, denn: Wir wissen nicht, ob es nicht geht, deswegen tun wir es halt mal und schauen was rauskommt - auf dem Laufenden bleibt ihr auf Facebook unter: Die AusHALLtigen