fehrhoert
CI-Trägerin Steffi Z. strotzt vor Selbstbewusstsein
Geschrieben von Sebastian Fehr

Gedanken zum Thema Selbstvertrauen & Selbstbewusstsein…

Egal in welche Aspekte des Lebens man schaut – ob im Beruf, in der Freizeit, in der Schule, beim Behördengang, beim Dating oder beim Gespräch mit Ärzten: Man benötigt in fast allen Situationen des Alltags eine gesunde Portion Selbstvertrauen. Doch als hörgeschädigter Mensch ist genau jenes oft im Keller, denn: Zu den alltäglichen, gesellschaftlich vorgegebenen und oft oberflächlichen Ängsten, die alle Menschen mal mehr oder weniger stark in ihrem Leben beschäftigen („ich bin zu dick!“, „mein Akne ist unansehnlich“, „meine Haare sind hässlich“, „ich hab Falten im Gesicht“, „Igitt, dieses Muttermal“ usw.) gesellen sich auf Grund des Hördefizites auch noch zusätzliche „Probleme“ in der Kommunikation sowie manchmal auch „Auffälligkeiten“ bezüglich Optik („was ist wenn er oder sie mein Hörsystem sieht? Uaaaah….“), welche natürlich nicht wirklich positiv zum Selbstbewusstsein beitragen. Die Folgen daraus sind, dass viele hörgeschädigte Menschen die Öffentlichkeit meiden, lieber zu Hause bleiben und sich gesellschaftlich isolieren – aus meiner Sicht jedoch komplett unbegründet, denn schau dir mal das Wort Selbstbewusstsein an:

Es besteht aus zwei Worten, nämlich „selbst“ und „Bewusstsein“ und meine favorisierte, einfache und kurze Interpretation des Begriffes lautet: Ich bin „mir selbst der Nächste“ und mir über meine Stärken & Schwächen „bewusst“. Die Erklärung dazu:

Der erste Teil des Wortes „Selbstbewusstsein“ lautet „Selbst“ und für mich bedeutet das: Ich stelle mich selbst an erster Stelle und ich versuche, mich selbst zu mögen. Was auf ersten Blick egoistisch klingt, macht bei genaueren Hinsehen Sinn, denn: In erster Linie ist jeder Mensch seines eigenen Glückes Schmied, das darf man nie vergessen. Das Leben ist zu kurz um darüber nachzudenken, was andere Menschen oder die Gesellschaft über dich denken. Wichtig ist nur, was du selbst über dich denkst, denn nur wenn du dich selbst magst können dich andere Personen auch mögen. Es wird aber Tage geben, da wirst du dich eben nicht mögen und alles wird scheiße sein. Es wird aber auch Situationen geben, in welchen du dich gut fühlst, du stolz auf dich bist und du im wahrsten Sinne des Wortes „Bäume ausreißen“ könntest. Ziel muss es sein, letzteres Gefühl so lange wie möglich zu konservieren und die Lebensphasen, in welchen man negativ denkt, so kurz als möglich zu halten, was nicht einfach ist aber gelingt, wenn sich zum Beispiel auf seine Stärken besinnt. Womit wir schon beim zweiten Teil des Wortes wären, dem „Bewusstsein“:

 

Jeder Mensch und zwar wirklich jeder, egal ob groß, klein, dick dünn, schlau, dumm, guthörend, schlechthörend, sehend, blind, introvertiert, extrovertiert, organisiert, chaotisch, mutig, ängstlich usw. hat Stärken und auch Schwächen, denn „Superhelden“ gibt es nur in Comics – und selbst diese haben oft arge Persönlichkeitsdefizite. Wenn ich weiß wo meine persönlichen Schwächen, aber vor allem meine Stärken liegen, kann ich daraus enorme Kraft ziehen. Meine Stärken sind zB.: Das Niederschreiben und Formulieren von Gedanken und Gefühlen, aber sicher nicht die Rechtschreibung. Oder auch die Kreativität und das Musizieren, aber sicher nicht mein Gehör. Und optisch sind meine Augen & meine Haare in Ordnung, aber mein Bauch könnte wesentlich kleiner sein. Diese Liste ließe sich beliebig weiterführen, und so findet jeder Mensch positive Dinge an sich, die Kraft schenken und da brauch mir keiner genteilig kommen, denn wenn sogar ich es schaffe, Positives über mich zu schreiben, dann können das alle anderen über sich auch. Wenn ich also merke, dass ich einen Tag habe, an dem ich negativ denke, befasse ich mich mit meinen Stärken und spiele Melodien mit dem Flügelhorn oder schreibe Texte auf. Danach geht es mir meistens besser und das empfehle ich jeden: Befasse dich „an Tagen wie diesen“ mit deinen Stärken sowie Dingen, die du kannst und denk nicht darüber nach, was du alles nicht kannst – du fühlst dich danach bestimmt besser.

Noch lieber mag ich übrigens das Wort „Selbstvertrauen“ und zwar nicht nur weil es besser zu meinem Blog passt (selbst-FEHR-trauen, jaja ich weiß, sehr witzig), sondern weil der Begriff eine noch tiefere Bedeutung hat: Du sollst nicht nur dir und deinen Attributen „vertrauen“ sondern dich auch mal „trauen“, deine Komfortzone zu verlassen. Denn erfolgreiche Ausflüge aus deiner Komfortzone sind es, die dein Selbstbewusstsein oder dein Selbstvertrauen noch mehr denn je steigern können.

 

Das Leben ist ein Abenteuer und auch ein Geschenk. Zwar wurden wir nicht gefragt, ob wir hier sein wollen, aber wenn wir schon mal hier sind, versuchen wir doch einfach, das Beste daraus  zu machen; Versuchen wir doch die Stärken und Attribute, womit wir ausgestattet wurden, zu verfeinern und zu optimieren – das macht Spaß, gibt Kraft und Energie welche wir dann in den Versuch investieren, Grenzen zu überwinden und über so manche Schwäche zu reüssieren. Doch wir lassen uns nicht auf unsere Defizite reduzieren, denn wir werden es nicht schaffen, diese vollständig zu eliminieren. Darum ist es wichtig, negative Gedanken zu minimieren, positive Dinge zu konservieren und ganz bedeutungsvoll: Uns so wie wir sind, selbst zu akzeptieren. Denn wenn wir uns auf uns selbst und unsere Stärken konzentrieren und diese noch dazu bewusst forcieren, dann können wir schon gar nicht mehr verlieren,  sondern nur mehr voll Selbstbewusstsein & Selbstvertrauen nach vorne marschieren.