fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Anders ist auch nur eine Variante von richtig!

Im meinem letzten Blog habe ich darüber geschrieben, warum es zwar nett gemeint, aber etwas sinnlos ist, wenn man einen frisch implantierten Menschen fragt, ob er nun denn besser höre. Heute ist das Thema ein anderes, und zwar geht es darum, warum ich versuche, mein heutiges Hören nach der Reimplantation so wenig wie möglich mit meinen vorherigen Hörerlebnissen (Hören mit Naturalgehör, Hören mit Hörgerät, Hören nach Erstimplantation) zu vergleichen und warum „anders“ auch nur eine Variante von richtig ist:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Kommunikation in Corona-Zeiten und die Maskenpflicht

Ja, auch an mir geht der Corona-Virus nicht spurlos vorbei, sowohl beruflich als auch privat. Zwar hat mich der Virus noch verschont (klopfe dreimal gegen den Tisch, dass es so bleibt) aber es scheint als gäbe es kaum mehr ein anderes Thema. Egal wo man sich bewegt: Corona da, Corona hier, Corona überall. Ich möchte jetzt gar nicht darüber schreiben, was ich von der momentanen Situation halte und wer „alles richtig“ gemacht hat und wer nicht. Über die Politik und die EU spare ich mir lieber jede Wortmeldung, da müsste ich zu weit ausholen.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

„Hörst du jetzt eigentlich besser als vorher?“

Meine Reimplantation liegt jetzt etwa ein Monat zurück und die Frage die ich bisher am häufigsten gestellt bekomme lautet: „Hörst du jetzt eigentlich besser als vorher?“. Dieses Erkundigen nach einer etwaigen Hörverbesserung ist zwar nett gemeint, aber eigentlich ziemlich sinnlos. Denn wer käme bei einem Fußballer 30 Tage nach einer Kreuzbandoperation auf die Idee zu fragen, ob das Knie jetzt besser funktioniert als vorher?

 

 Denn wie auch bei einer Sportverletzung fehlt noch ein wesentlicher Teil um die „Funktionalität“ nach der OP bewerten zu können: Die Rehabilitation. Denn mit der OP ist es sowohl beim Fußballer mit Kreuzbandriss als auch bei mir als CI-Versorgten nicht getan, im Gegenteil: Jetzt beginnt die Arbeit erst richtig! Während der Sportler langsam lernen muss, sein Knie wieder richtig zu belasten und eine Physiotherapie, Bewegungstraining sowie Lymphdrainagen, Massagen und weitere Behandlungen durchläuft, sollte ich als frisch CI-Versorgter neben regelmäßiger Einstellungs- und Anpassungstermine bei der Klinik (oder beim Hörakustiker mit entsprechender Ausbildung) auch ausreichend Hörtrainings, Sprachübungen und dergleichen absolvieren, am besten in Form einer ambulanten und stationären Rehabilitation. Erst nach Abschluss der genannten Rehabilitationsmaßnahmen kann sowohl der Sportler als auch der CI-Träger sagen, was die Operation gebracht hat.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Ein Geräusch - was ist das?

Du wachst auf. Aber nicht auf Grund irgendwelcher Geräusche wie Autolärm, lauter Wind oder gar dem Wecker, nein. Du erwachst einfach aus deinem Schlaf, weil dir danach ist, weil dein Traum aufgehört hat oder weil die Sonne mittlerweile so hoch am Himmel steht, dass dir unter der warmen Decke zu heiß ist. Aber ein Geräusch – was ist das?
 
Du öffnest verschlafen die Augen. Es ist früher als erwartet, denn im Schlafzimmer ist es noch dunkel. Langsam schälst du dir die Bettdecke vom Körper. Das Rascheln, das dabei erzeugt wird, kannst du spüren aber nicht hören. Ein Geräusch – was ist das?
 
Langsam tastest du dich aus dem Bett und merkst dabei, wie der Lattenrost unter der Matratze sich bewegt. Du hievst deine Beine aus dem Bett und spürst, wie die Füße auf den Boden aufschlagen. Dennoch ist es für dich still im Zimmer. Ein Geräusch – was ist das?
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Geschrieben von Sebastian Fehr

Wie es nach meiner Reimplantation jetzt weitergeht…

Wie die aufmerksamen Leser unter euch schon mitbekommen haben, wurde ich Ende November im Klinikum Bielefeld reimplantiert. Die Operation ist gut verlaufen, bei Dr. Ingo Todt und seinem Team war ich sehr gut aufgehoben und auch die Erstanpassung hat „funktioniert“. „Funktioniert“ unter Anführungsstrichen deswegen, weil ich mich zwar wieder mit Menschen unterhalten kann und auch gleich nach der Erstanpassung wieder telefonieren konnte. ABER: Der Klang ist einfach schlecht. Alles, was ich mir zuvor mühsam aufgebaut habe, mit Reha, Musiktherapie, Hörübungen usw. – futsch.

Es ist wie nach der Erstimplantation: Alles klingt metallisch, hell, ungewohnt, tw. mit Echo – zuerst wie durch ein leise eingestelltes Radio, dass halb in der Frequenzsuche ist und halb das überträgt, was im gesuchten Kanal läuft. Nach zwei Wochen ist es zwar schon etwas besser geworden, aber da ist noch brutal viel Spielraum – weil ich weiß ja, wie weit es gehen kann.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Sag niemals nie!

Eigentlich wollte ich nie mehr in meinem Leben bei einem symphonischen Blasorchesterwettbewerb (Wertungsspiel) teilnehmen. Warum? Weil ich vor 3 Jahren bei einem solchen Wettbewerb in Riva (Italien) meinen letzten Gehörsturz aktiv auf der Bühne erlebt habe. Dieser Hörsturz hatte dann auch meine Cochlea Implantation zur Folge. Ich dachte auch, dass es nie mehr möglich sein wird für mich, bei einem Leistungswertungsspiel mitzuspielen, denn immerhin bin ich ja seit 3 Jahren medizinisch gesehen „gehörlos“. Aber wie heißt es so schön: Man soll niemals nie sagen. Wenn ich in meinem Leben bisher eines gelernt habe und wenn mein Blog eine Kernmessage enthalt, dann bestimmt: Unmögliches ist und bleibt vor allem immer dann unmöglich, wenn man es gar nicht erst versucht.

Letzten Samstag fand in Thaur das Wertungsspiel des Musikbezirkes Hall statt und ......

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Entscheidungen

Es ist 04:39. Ich sitze schlaflos in der Station 10.1 im Uniklinikum Bielefeld. Da Ich meinen Zimmerkollegen in seinem erholsamen Schlaf, um den ich ihn insgeheim beneide, nicht stören will, habe ich mich in den Aufenthaltsraum verzogen. Dort ist niemand mehr und es herrscht totenstille – vermute ich, da ich ja momentan nichts höre. Nach erfolgter CI-Reimplantation am Vortag soll heute mein neues Cochlea Implantat „grob“ eingestellt werden. In den wenigen Stunden der Stille und Ungewissheit, die ich einerseits genieße, mir aber andererseits auch große Ängste bereiten – ich will auf keinen Fall dass dieser „nicht-hörende-Zustand“ von Dauer bleibt – lasse ich die letzten Monate und Wochen Revue passieren:

 

Vor allem denke ich über die Entscheidungen nach, die ich in diesem Zeitraum getroffen habe. Ich Frage mich einerseits, ob ich „alles richtig“ gemacht habe und andererseits wie ein Alternativweg hätte aussehen können.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Mein Cochlea Implantat, die Frauen und ich – Teil 1: Kennenlernen (Pre-Date)

Lange habe ich überlegt, ob ich über Dating, Beziehung & Co einen Blog aus der Sicht eines Hörgeschädigten bzw. CI-Trägers schreiben soll. Denn immer wieder wurde ich bei Selbsthilfegruppen-Treffen oder per Mail auf die Themen Date-Anbahnung uvm. angesprochen. Auch wollen Normalhörende manchmal wissen: Wie ist es eigentlich, wenn man gehörlos Sex hat? Wir sind im 21. Jahrhundert und da sollte es möglich sein, solche Themen zu besprechen. Deswegen möchte ich einige Erfahrungen in den nächsten 4 Blogs schildern.

Zunächst einmal möchte ich mich dem Thema „erstes Kennenlernen“ widmen, genauer gesagt der „Date-Anbahnung“:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Wie man sich als CI-Träger auf ein Konzert vorbereitet

Ein Follower auf Facebook hat mir vor kurzem geschrieben: „Auf Social Media sehe ich immer wieder, dass du Konzerte spielst – aber wie bereitest du dich eigentlich auf ein Konzert vor? Hat sich die Konzert Vorbereitung verändert seit deiner CI-Versorgung? Und wenn ja – was hat sich verändert?“ Ich möchte jetzt mal „Licht ins Dunkel“ bringen und mal beschreiben, wie die Vorbereitungen für mich konkret aussehen, denn es hat sich für mich einiges verändert:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Von der Euromillion über CD-Produktion zur Re-Implantation

Wisst ihr wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich diese Woche bei den Euromillionen den Jackpot knacke? Exakt bei 0,00000000715 %. Wisst ihr wie hoch die Anzahl der Neugeborenen in deutschsprachigen Raum ist, die mit einem Hörfehler auf die Welt kommen? Etwa ein Kind bei 1000 Geburten ist betroffen (d.h. 0,1%). Wie hoch liegt der Prozentsatz, dass der implantierte Teil eines Cochlea Implantates nach 3 Jahren Defizite zeigt? Je nach Hersteller zwischen 1% und 3% (also ca. 1 Promille x 2 Prozent = 0,00002 %) wobei es diesbezüglich leider keine verifizierten Daten gibt.

 

Wenn ich jetzt noch die Wahrscheinlichkeit der mehrmaligen Hörstürze einberechnen würde, wäre ich wohl schon Euromillionär, aber vielleicht nicht gerade im positivsten Sinne: Nicht nur, dass ich auf einem Ohr taub geboren bin, nein: Auf den guten, rechten Ohr sind auch noch mehrere Hörstürze dazugekommen, sodass ich 2016 dazu gezwungen war, mir eine Hörprothese (CI) implantieren lassen. Mein treffender Facebook-Kommentar damals:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Verkehrskontrolle zu COVID-19 Zeiten

Vor kurzem hatte ich eine schräge Begegnung mit der österreichischen Polizei, wie sie wahrscheinlich nur ich als CI-Träger erleben kann. Und das ging so:

Ich war Mitte Juni um ca. Mitternacht auf dem Heimweg von einer Freundin, mit meinem Laptop und einem schweren Ordner, denn ich hatte ihr bei ihrer Bachelor-Arbeit geholfen. Es war ziemlich dunkel, der Weg war nicht beleuchtet und da tu ich mich halt - wie viele andere Mneschen mit Hörschädigung - beim Gehen schwer, zu allem Überfluss war auch schon der Akku meines CI’s fast leer, daher wollte ich schnell nach Hause. Jedenfalls gehe ich zum Auto, verstaue den Laptop und den Ordner im Kofferraum und setze mich vors Lenkrad. Ich starte den Motor, lege den Sicherheitsgurt an und stelle die Musik ein. Just als ich losfahren will, leuchtet hinter mir plötzlich das Blaulicht eines Einsatzfahrzeuges auf.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Vom Druck, funktionieren zu wollen

Ich möchte einfach alles hören: Diesen Anspruch hab ich an mir selbst. Egal ob beim in der Arbeit am Telefon, Kaffeetrinken, beim Autofahren, beim Feierabendbier mit Musik- oder Arbeitskollegen oder eben beim Musizieren: Ich will funktionieren, um unkompliziert an der akustischen Welt teilhaben zu können. Doch ich bin medizinisch gesehen taub – verlange ich nicht zu viel von mir und auch von meinem CI?

Besser wird es mit diesen hohen Anspruch an mich selbst auch nicht, wenn mich Verwandte, Arbeitskollegen oder Bekannte nach einem „wie bitte?“ überrascht fragen, ob ich denn schlechter hören würde. Da merke ich ganz klar: Auch die Erwartungen von den Menschen mir gegenüber sind durch die CI-OP gestiegen, vielleicht auch durch die vielen positiven Berichte auf meinem Blog. Und wenn ich dann plötzlich von Dritte darauf angesprochen werde, ob ich denn schlechter hören würde: Ja, dann mach ich mir natürlich zwangsläufig darüber Gedanken. Ich denke nach und erinnere mich an einige Situationen, in welchen ich nicht bzw. schwer gehört habe, in welchen ich vermehrt Nachfragen musste und nicht auf Anhieb funktioniert habe. Die Zeitabschnitte, in welchen ich aber gut gehört habe, vergesse oder verdränge ich dabei gerne.

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