fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Ein Geräusch - was ist das?

Du wachst auf. Aber nicht auf Grund irgendwelcher Geräusche wie Autolärm, lauter Wind oder gar dem Wecker, nein. Du erwachst einfach aus deinem Schlaf, weil dir danach ist, weil dein Traum aufgehört hat oder weil die Sonne mittlerweile so hoch am Himmel steht, dass dir unter der warmen Decke zu heiß ist. Aber ein Geräusch – was ist das?
 
Du öffnest verschlafen die Augen. Es ist früher als erwartet, denn im Schlafzimmer ist es noch dunkel. Langsam schälst du dir die Bettdecke vom Körper. Das Rascheln, das dabei erzeugt wird, kannst du spüren aber nicht hören. Ein Geräusch – was ist das?
 
Langsam tastest du dich aus dem Bett und merkst dabei, wie der Lattenrost unter der Matratze sich bewegt. Du hievst deine Beine aus dem Bett und spürst, wie die Füße auf den Boden aufschlagen. Dennoch ist es für dich still im Zimmer. Ein Geräusch – was ist das?
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Geschrieben von Sebastian Fehr

Ich weiß ja nicht, ob es nicht geht, deswegen versuche ich es mal...

In den letzten 2 ½ Jahren (ja, viel länger bin ist meine OP noch nicht her, obwohl es mir mittlerweile wie eine Ewigkeit vorkommt) hab ich einiges über die Floskeln: „Das geht nicht!“ oder „Das ist unmöglich“! oder „Das wird nicht funktionieren“ gelernt. Um es Vorwegzunehmen: Diese Aussagen sind reine Hemmer und auf tirolerisch richtige „owizahrer“. Vielmehr denk ich im Rückblick heute an das Sprichwort: Und da kam jemand, der wusste nicht, dass das nicht geht und hat es einfach gemacht. Ja, so in etwa würde ich meinen Weg heute beschreiben, vor allem wenn ich an die Musik denke.

 

Zunächst hab ich meine Instrumente verkauft, weil zahlreiche Ärzte zu mir gesagt haben: „Trompetespielen, das kannst du in Zukunft vergessen! Du kannst froh sein, wenn du danach ordentlich Sprache verstehst“. Meine Erwartungshaltung und Hoffnungen waren daher vor meiner OP unter 0 – an das Musizieren wagte ich zunächst gar nicht erst zu denken. Viel mehr wollte ich einfach die Stimmen meiner Verwandten und Freunde erkennen und mit ihnen kommunizieren können. Aber auch das schien mir auf Grund der CI-Simulationen, die ich mir im Internet anhörte, ein aussichtsloses Unterfangen zu werden. Etwas Panik und Verzweiflung muss ich mir in dieser Lebensphase durchaus eingestehen.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Sag niemals nie!

Eigentlich wollte ich nie mehr in meinem Leben bei einem symphonischen Blasorchesterwettbewerb (Wertungsspiel) teilnehmen. Warum? Weil ich vor 3 Jahren bei einem solchen Wettbewerb in Riva (Italien) meinen letzten Gehörsturz aktiv auf der Bühne erlebt habe. Dieser Hörsturz hatte dann auch meine Cochlea Implantation zur Folge. Ich dachte auch, dass es nie mehr möglich sein wird für mich, bei einem Leistungswertungsspiel mitzuspielen, denn immerhin bin ich ja seit 3 Jahren medizinisch gesehen „gehörlos“. Aber wie heißt es so schön: Man soll niemals nie sagen. Wenn ich in meinem Leben bisher eines gelernt habe und wenn mein Blog eine Kernmessage enthalt, dann bestimmt: Unmögliches ist und bleibt vor allem immer dann unmöglich, wenn man es gar nicht erst versucht.

Letzten Samstag fand in Thaur das Wertungsspiel des Musikbezirkes Hall statt und ......

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Gedanken zum Thema Selbstvertrauen & Selbstbewusstsein…

Egal in welche Aspekte des Lebens man schaut – ob im Beruf, in der Freizeit, in der Schule, beim Behördengang, beim Dating oder beim Gespräch mit Ärzten: Man benötigt in fast allen Situationen des Alltags eine gesunde Portion Selbstvertrauen. Doch als hörgeschädigter Mensch ist genau jenes oft im Keller, denn: Zu den alltäglichen, gesellschaftlich vorgegebenen und oft oberflächlichen Ängsten, die alle Menschen mal mehr oder weniger stark in ihrem Leben beschäftigen („ich bin zu dick!“, „mein Akne ist unansehnlich“, „meine Haare sind hässlich“, „ich hab Falten im Gesicht“, „Igitt, dieses Muttermal“ usw.) gesellen sich auf Grund des Hördefizites auch noch zusätzliche „Probleme“ in der Kommunikation sowie manchmal auch „Auffälligkeiten“ bezüglich Optik („was ist wenn er oder sie mein Hörsystem sieht? Uaaaah….“), welche natürlich nicht wirklich positiv zum Selbstbewusstsein beitragen. Die Folgen daraus sind, dass viele hörgeschädigte Menschen die Öffentlichkeit meiden, lieber zu Hause bleiben und sich gesellschaftlich isolieren – aus meiner Sicht jedoch komplett unbegründet, denn schau dir mal das Wort Selbstbewusstsein an:

Es besteht aus zwei Worten, nämlich „selbst“ und „Bewusstsein“ und meine favorisierte, einfache und kurze Interpretation des Begriffes lautet: Ich bin „mir selbst der Nächste“ und mir über meine Stärken & Schwächen „bewusst“. Die Erklärung dazu:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Mein Cochlea Implantat, die Frauen und ich – Teil 1: Kennenlernen (Pre-Date)

Lange habe ich überlegt, ob ich über Dating, Beziehung & Co einen Blog aus der Sicht eines Hörgeschädigten bzw. CI-Trägers schreiben soll. Denn immer wieder wurde ich bei Selbsthilfegruppen-Treffen oder per Mail auf die Themen Date-Anbahnung uvm. angesprochen. Auch wollen Normalhörende manchmal wissen: Wie ist es eigentlich, wenn man gehörlos Sex hat? Wir sind im 21. Jahrhundert und da sollte es möglich sein, solche Themen zu besprechen. Deswegen möchte ich einige Erfahrungen in den nächsten 4 Blogs schildern.

Zunächst einmal möchte ich mich dem Thema „erstes Kennenlernen“ widmen, genauer gesagt der „Date-Anbahnung“:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Verwechslungsgefahr

Streich ich jetzt aufs Brot die Butter oder gehört darauf Hundefutter, jedoch bestimmt nicht meine Mutter.

Spielen wir heut abends Karten oder arbeiten wir im Garten, vielleicht soll ich nur dort warten?

Gehen wir heut Geschenke kaufen, oder einen Marathon laufen oder will Dad mit mir raufen?

Annika will mit mir geh ‘n, aber genau konnt‘ ich sie nicht versteh ‘n, vielleicht soll ich nur ihren Rasen mäh‘n?

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Von der Euromillion über CD-Produktion zur Re-Implantation

Wisst ihr wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich diese Woche bei den Euromillionen den Jackpot knacke? Exakt bei 0,00000000715 %. Wisst ihr wie hoch die Anzahl der Neugeborenen in deutschsprachigen Raum ist, die mit einem Hörfehler auf die Welt kommen? Etwa ein Kind bei 1000 Geburten ist betroffen (d.h. 0,1%). Wie hoch liegt der Prozentsatz, dass der implantierte Teil eines Cochlea Implantates nach 3 Jahren Defizite zeigt? Je nach Hersteller zwischen 1% und 3% (also ca. 1 Promille x 2 Prozent = 0,00002 %) wobei es diesbezüglich leider keine verifizierten Daten gibt.

 

Wenn ich jetzt noch die Wahrscheinlichkeit der mehrmaligen Hörstürze einberechnen würde, wäre ich wohl schon Euromillionär, aber vielleicht nicht gerade im positivsten Sinne: Nicht nur, dass ich auf einem Ohr taub geboren bin, nein: Auf den guten, rechten Ohr sind auch noch mehrere Hörstürze dazugekommen, sodass ich 2016 dazu gezwungen war, mir eine Hörprothese (CI) implantieren lassen. Mein treffender Facebook-Kommentar damals:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Veränderung: Was war und was kommt

 Ich sitze gerade im Zug von Innsbruck nach St. Pölten und stelle erschrocken fest, dass ich im neuen Jahr noch keinen wirklichen Blog geschrieben habe. Nicht mal einen Bericht über den genialen Jahreswechsel in Frankfurt mit unglaublichen Gleichgesinnten hab ich geschafft (wie ihn Kollege Jan hier geschrieben hat: https://bit.ly/2SJvVos ); Dies liegt aber nicht daran, dass ich nicht mehr Schreiben will – ganz im Gegenteil. Viel mehr liegt es daran, dass es einige Dinge in meinem Leben gibt, die sich verändert haben und mir daher etwas die Zeit zum Bloggen und Texten fehlt. Diese Veränderungen möchte ich deshalb kurz zusammenfassen:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Vom Druck, funktionieren zu wollen

Ich möchte einfach alles hören: Diesen Anspruch hab ich an mir selbst. Egal ob beim in der Arbeit am Telefon, Kaffeetrinken, beim Autofahren, beim Feierabendbier mit Musik- oder Arbeitskollegen oder eben beim Musizieren: Ich will funktionieren, um unkompliziert an der akustischen Welt teilhaben zu können. Doch ich bin medizinisch gesehen taub – verlange ich nicht zu viel von mir und auch von meinem CI?

Besser wird es mit diesen hohen Anspruch an mich selbst auch nicht, wenn mich Verwandte, Arbeitskollegen oder Bekannte nach einem „wie bitte?“ überrascht fragen, ob ich denn schlechter hören würde. Da merke ich ganz klar: Auch die Erwartungen von den Menschen mir gegenüber sind durch die CI-OP gestiegen, vielleicht auch durch die vielen positiven Berichte auf meinem Blog. Und wenn ich dann plötzlich von Dritte darauf angesprochen werde, ob ich denn schlechter hören würde: Ja, dann mach ich mir natürlich zwangsläufig darüber Gedanken. Ich denke nach und erinnere mich an einige Situationen, in welchen ich nicht bzw. schwer gehört habe, in welchen ich vermehrt Nachfragen musste und nicht auf Anhieb funktioniert habe. Die Zeitabschnitte, in welchen ich aber gut gehört habe, vergesse oder verdränge ich dabei gerne.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Ich will doch bloß normal sein

Wenn ich mit Hörgeschädigten vor einer medizintechnischen Versorgung spreche, kommt eigentlich zu 90% der Wunsch auf, normal zu sein bzw. zu bleiben: Normal hören können, wieder normal Aussehen, ein normales Leben führen können. Auch ich wollte als 12-Jähriger, nach meiner hörsturzbedingten Erstversorgung auf garkeinen Fall ein „uncooles“ Hörsystem tragen und ebenfalls ein normaler Teenager sein. Deswegen trug ich das Hörgerät anfangs auch nicht, weil ich normal bleiben wollte und ein Hörgerät nur was für Senioren sei.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Einmalige Chance für Menschen mit Hörschädigung: Landeskrankenhaus Natters

Im Frühjahr hat ein Thema die Schlageilen dominiert: Nämlich das Landeskrankenhaus Natters. Nach teilweise hitzigen Diskussionen und Auseinandersetzungen über diverse Medien durch verschiedene sozialpolitische Akteure stand zunächst eine Schließung im Raum. Von dieser wurde aber nun Abstand genommen: Der Standort bleibt vorerst, aber die Zukunft des LKH Natters ist noch offen: Etwaige Möglichkeiten und Chancen sowie kostesenkende Maßnahmen sollen von Experten evaluiert werden und eine Entscheidung darüber soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Nach O-Ton von LR Tilg lt. Presseberichte gilt: Qualität vor Geschwindigkeit.

Dabei würde die Lösung der Problematik auf der Hand liegen, wie ich in meinem Brief an den Herrn Landesrat bereits mitgeteilt habe:

Sehr geehrter Herr Landesrat Mag. Tilg,

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Neues CI Outfit: Princess Pink

Der Tiroler Tag des Musikhörens ist Geschichte, daher hab ich jetzt wieder mal Zeit für das Wesentliche meiner Website: Das Bloggen. Wie manche von euch vielleicht auf Social Media gesehen haben, hab ich mich neu eingekleidet. Mein CI ist jetzt nicht mehr beige sondern erstrahlt komplett in Princess Pink. Ich hab auch schon viele Rückmeldungen diesbezüglich bekommen, überraschenderweise sogar mehr wie unmittelbar nach meiner CI Versorgung. Ich hab festgestellt: Das momentane „CI-Outfit“ ist nicht jederman(n)s Sache: Manche finden es lächerlich, manche finden es „schwul“, wieder andere finden es „unpassend“ doch es gibt auch Menschen, die es mutig finden.

Insgesamt find ich es lustig, was so eine kleine Veränderung auslöst: Denn das CI ist ja noch immer das gleiche, ich bin immer noch derselbe und auch mein Hörvermögen ist gleich gut oder schlecht wie vorher: Nur der Anstrich des Hörsystems, dass mich hören lässt, hat sich verändert.

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