fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Vom Druck, funktionieren zu wollen

Ich möchte einfach alles hören: Diesen Anspruch hab ich an mir selbst. Egal ob beim in der Arbeit am Telefon, Kaffeetrinken, beim Autofahren, beim Feierabendbier mit Musik- oder Arbeitskollegen oder eben beim Musizieren: Ich will funktionieren, um unkompliziert an der akustischen Welt teilhaben zu können. Doch ich bin medizinisch gesehen taub – verlange ich nicht zu viel von mir und auch von meinem CI?

Besser wird es mit diesen hohen Anspruch an mich selbst auch nicht, wenn mich Verwandte, Arbeitskollegen oder Bekannte nach einem „wie bitte?“ überrascht fragen, ob ich denn schlechter hören würde. Da merke ich ganz klar: Auch die Erwartungen von den Menschen mir gegenüber sind durch die CI-OP gestiegen, vielleicht auch durch die vielen positiven Berichte auf meinem Blog. Und wenn ich dann plötzlich von Dritte darauf angesprochen werde, ob ich denn schlechter hören würde: Ja, dann mach ich mir natürlich zwangsläufig darüber Gedanken. Ich denke nach und erinnere mich an einige Situationen, in welchen ich nicht bzw. schwer gehört habe, in welchen ich vermehrt Nachfragen musste und nicht auf Anhieb funktioniert habe. Die Zeitabschnitte, in welchen ich aber gut gehört habe, vergesse oder verdränge ich dabei gerne.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Ich will doch bloß normal sein

Wenn ich mit Hörgeschädigten vor einer medizintechnischen Versorgung spreche, kommt eigentlich zu 90% der Wunsch auf, normal zu sein bzw. zu bleiben: Normal hören können, wieder normal Aussehen, ein normales Leben führen können. Auch ich wollte als 12-Jähriger, nach meiner hörsturzbedingten Erstversorgung auf garkeinen Fall ein „uncooles“ Hörsystem tragen und ebenfalls ein normaler Teenager sein. Deswegen trug ich das Hörgerät anfangs auch nicht, weil ich normal bleiben wollte und ein Hörgerät nur was für Senioren sei.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Einmalige Chance für Menschen mit Hörschädigung: Landeskrankenhaus Natters

Im Frühjahr hat ein Thema die Schlageilen dominiert: Nämlich das Landeskrankenhaus Natters. Nach teilweise hitzigen Diskussionen und Auseinandersetzungen über diverse Medien durch verschiedene sozialpolitische Akteure stand zunächst eine Schließung im Raum. Von dieser wurde aber nun Abstand genommen: Der Standort bleibt vorerst, aber die Zukunft des LKH Natters ist noch offen: Etwaige Möglichkeiten und Chancen sowie kostesenkende Maßnahmen sollen von Experten evaluiert werden und eine Entscheidung darüber soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Nach O-Ton von LR Tilg lt. Presseberichte gilt: Qualität vor Geschwindigkeit.

Dabei würde die Lösung der Problematik auf der Hand liegen, wie ich in meinem Brief an den Herrn Landesrat bereits mitgeteilt habe:

Sehr geehrter Herr Landesrat Mag. Tilg,

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Vom Glotzen & Trotzen

Lustig ist es in der Bahn –
da glotzen mich oft die Leute an.
Hinschauen wollen sie ja eigentlich nicht,
trotzdem starren sie nicht auf mein Gesicht:

 

Denn hinterm Ohr, da sitzt mein CI –
doch danach Fragen traun‘ sich die Glotzer nie.
Lieber schauen sie immer wieder „unauffällig“ drauf,
das Starren fällt mir trotzdem immer auf.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Gedanken zum Thema Selbstvertrauen & Selbstbewusstsein…

Egal in welche Aspekte des Lebens man schaut – ob im Beruf, in der Freizeit, in der Schule, beim Behördengang, beim Dating oder beim Gespräch mit Ärzten: Man benötigt in fast allen Situationen des Alltags eine gesunde Portion Selbstvertrauen. Doch als hörgeschädigter Mensch ist genau jenes oft im Keller, denn: Zu den alltäglichen, gesellschaftlich vorgegebenen und oft oberflächlichen Ängsten, die alle Menschen mal mehr oder weniger stark in ihrem Leben beschäftigen („ich bin zu dick!“, „mein Akne ist unansehnlich“, „meine Haare sind hässlich“, „ich hab Falten im Gesicht“, „Igitt, dieses Muttermal“ usw.) gesellen sich auf Grund des Hördefizites auch noch zusätzliche „Probleme“ in der Kommunikation sowie manchmal auch „Auffälligkeiten“ bezüglich Optik („was ist wenn er oder sie mein Hörsystem sieht? Uaaaah….“), welche natürlich nicht wirklich positiv zum Selbstbewusstsein beitragen. Die Folgen daraus sind, dass viele hörgeschädigte Menschen die Öffentlichkeit meiden, lieber zu Hause bleiben und sich gesellschaftlich isolieren – aus meiner Sicht jedoch komplett unbegründet, denn schau dir mal das Wort Selbstbewusstsein an:

Es besteht aus zwei Worten, nämlich „selbst“ und „Bewusstsein“ und meine favorisierte, einfache und kurze Interpretation des Begriffes lautet: Ich bin „mir selbst der Nächste“ und mir über meine Stärken & Schwächen „bewusst“. Die Erklärung dazu:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Warum „passt schon“ eben nicht passt

Ist nicht so wichtig!“, „Passt schon.“, „Hat sich erledigt!“ – das sind alles Halbsätze, welche wohl jeder schwerhörige Mensch kennt. Oft hört man diese Worte, wenn man bei einer Unterhaltung wesentliche Dinge akustisch nicht verstanden hat und deswegen zweimal oder sogar dreimal nachfragen muss. Je nach Laune, Geduld und Gutmütigkeit der Gesprächspartner wird dann das gesagte wiederholt – oder eben einer dieser eingangs erwähnten Halbsätze findet Verwendung.


Dieses Verhalten ist oft nicht böse gemeint und für die/den Absender/in keine große Sache, stellt aber alles andere als eine Kommunikation auf Augenhöhe dar. Welche Auswirkungen diese Worte bei schwerhörige, angestrengt zuhörende Gesprächspartner haben, wird dabei nicht bedacht: Betroffene schämen sich durch diese Halbsätze umso mehr für ihre Hörschädigung und den damit verbundenen Defiziten in der Kommunikation und fühlen sich minderwertig, nicht gut genug und auch irgendwie diskriminiert. Sie denken: „Ich bin nicht wichtig genug, dass das gesagte wiederholt wird“, „ich gehöre nicht dazu“, „ich gehe meinem gegenüber auf die Nerven, deswegen wiederholt er das gesagte nicht“, „ich bin unwichtig“, und so weiter. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind am Boden, man fühlt sich als Mensch zweiter Klasse. Auf Dauer kann dies durchaus ernste psychologische Konsequenzen haben.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Veränderung: Was war und was kommt

 Ich sitze gerade im Zug von Innsbruck nach St. Pölten und stelle erschrocken fest, dass ich im neuen Jahr noch keinen wirklichen Blog geschrieben habe. Nicht mal einen Bericht über den genialen Jahreswechsel in Frankfurt mit unglaublichen Gleichgesinnten hab ich geschafft (wie ihn Kollege Jan hier geschrieben hat: https://bit.ly/2SJvVos ); Dies liegt aber nicht daran, dass ich nicht mehr Schreiben will – ganz im Gegenteil. Viel mehr liegt es daran, dass es einige Dinge in meinem Leben gibt, die sich verändert haben und mir daher etwas die Zeit zum Bloggen und Texten fehlt. Diese Veränderungen möchte ich deshalb kurz zusammenfassen:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Warum die Kaffeepause für mich keine Pause ist

Jeder kennt es: Eine feine Gesprächsrunde bei Kaffee und Jause mit mehreren Menschen in einem Raum. Viele Themen werden in kurzer Zeit abgesprochen: Witze werden erzählt, Pläne fürs Wochenende werden geschmiedet, Erfahrungen und Informationen werden ausgetauscht.  Locker wird gefachsimpelt, über Interna geplaudert und auch über Vorurteile philosophiert. Die Stimmung ist heiter und offen, das Gesprächsklima freundlich. Es wird gelacht, geschimpft, diskutiert, argumentiert und auch ein wenig geneckt. Oft ist ein Einzelner am Wort und die anderen hören zu, aber es wird auch durcheinander gesprochen. Soweit so gut und auch harmonisch.

Mitten darunter: Ich. Angestrengt und konzentriert versuche ich der Unterhaltungsrunde zu folgen, was mir nicht durchgehend gelingt. Es ist auch eine Geschichte der Tagesverfassung: Mal höre und verstehe ich Einiges, Mal vieles nicht. Ich möchte nicht dumm und begriffsstutzig wirken und den Gesprächsfluss ständig stören – deswegen Frage ich nicht immer nach, wenn ich was nicht höre. Obwohl ich mich unwohl fühle, versuche ich, zumindest nach außen Selbstbewusstsein auszustrahlen und frage mich ständig, ob mir das auch gelingt.

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